Symbolbild: Psychische Krankheiten. Es ist ein Feld mit Bäumen im Nebel zu sehen und ein paar Straßenschilder und eine Person in der Ferne. (Quelle: imago stock&people)
imago stock&people

Über Krankheiten spricht keiner gern - über psychische Erkrankungen schon gar nicht! Dabei sind sie weit verbreitet. Laut WHO hat jeder vierte Patient, der zum Arzt geht, psychische Probleme.

Was können wir machen, wenn es uns oder einem Freund schlecht geht? Da psychische Erkrankungen individuell und deswegen sehr verschieden sind, findet Ihr hier lediglich erste Infos und Anlaufstellen. Falls Ihr Unterstützung sucht, kann Euch Euer Hausarzt helfen, an einen Therapeuten zu kommen.

Psychisch krank...

Genauso wie körperliche Erkrankungen sehr verschieden sein können, gibt es viele Formen von psychischen – also seelischen – Erkrankungen. Generell geht es den Betroffenen nicht gut, weil sie oftmals das Gefühl haben, ihr Leben nicht mehr in den Griff zu bekommen. Dinge, die für viele alltäglich sind, können häufig nicht mehr gemacht werden. Zum Beispiel unter Menschen gehen, Freundschaften pflegen oder Beziehungen aufbauen, die Schule, Uni oder Arbeit organisiert bekommen.

...Was heißt das?

Die Gründe dafür können ganz unterschiedlich sein. Bei manchen Betroffenen gibt es große Ängste, bei einigen kreisen die Gedanken unaufhörlich um bestimmte Themen, andere sind völlig lust- und energielos, einige hören Stimmen, haben ein Sucht-Problem oder können sich und ihren Körper nicht leiden.

Kurzum: Bei psychischen Erkrankungen ist die Wahrnehmung, das Denken, Fühlen und Verhalten beeinträchtigt.

Die Gründe dafür können ganz unterschiedlich sein. Bei manchen Betroffenen gibt es große Ängste, bei einigen kreisen die Gedanken unaufhörlich um bestimmte Themen, andere sind völlig lust- und energielos, einige hören zum Beispiel Stimmen, haben ein Sucht-Problem oder können sich und ihren Körper nicht leiden.

Kurzum: Bei psychischen Erkrankungen ist das Wahrnehmen, Denken, Fühlen und Verhalten beeinträchtigt.

Symbolbild: Psychische Krankheiten. Es ist eine komplett gesprungene Glasscheibe und ihre minikleinen Einzelteile zu sehen. (Quelle: imago/Westend61)
imago/Westend61

Was könnt Ihr bei Problemen machen?

Am besten ist es immer, mit jemandem darüber zu sprechen. Das können Freunde oder andere Vertrauenspersonen sein. Rund um die Uhr gibt es außerdem verschiedene Sorgentelefone (manchmal auch per Mail oder Chat), etwa die Telefonseelsorge, das muslimische Seelsorge-Telefon oder Neuhland in Berlin. Dort sitzen professionelle Berater, mit denen Ihr anonym sprechen könnt. In vielen Städten gibt es zudem Selbsthilfegruppen, für den Austausch mit anderen. Hier findet Ihr für den Notfall die Krisendienste für Berlin und Brandenburg.

Manche Selbsthilfegruppen haben sich inzwischen sogar auf Angehörige spezialisiert. Dort könnt Ihr also hingehen, wenn Freunde oder Verwandte psychische Probleme haben und Ihr erfahren wollt, wie Ihr besser mit der Situation umgehen könnt.

Therapie - aber WerWoWasWie?

Wenn Ihr selbst eine Therapie machen wollt, setzt Euch am besten direkt mit einem Therapeuten in Verbindung. Dazu braucht Ihr auch keine Überweisung. Im Internet findet Ihr Seiten, wo Therapeuten in Eurer Nähe und nach Fachgebieten aufgelistet sind, zum Beispiel www.psychotherapiesuche.de oder www.therapie.de.

Von den gesetzlichen Krankenkassen werden die Verhaltenstherapie, die Psychoanalyse und Tiefenpsychologische Therapie bezahlt. Dazu muss Euer Therapeut einen Antrag bei der Krankenkasse stellen. Die ersten Sitzungen könnt Ihr aber auch ohne Antrag machen, denn in diesen Probesitzungen müsst Ihr und der Therapeut Euch erstmal gegenseitig etwas kennenlernen und gemeinsam schauen, ob die Vertrauensbasis für eine Therapie aufgebaut werden kann. Je nach Krankenkasse stehen Euch zwei bis vier solche Probestunden zu.

Arten von psychischen Erkrankungen

  • Symbolbild: Depression. Ein Mann läuft allein die Straße entlang, die Bildfarbwerte sind sehr dunkel, er trägt Schwarz. (Quelle: rbb)
    rbb

    Dauerhaft schlecht drauf

    Schlecht drauf sind wir alle mal. Wer aber eine Depression hat, ist für einen längeren Zeitraum (mindestens zwei Wochen am Stück) sehr niedergeschlagen, traurig, und das ohne zu wissen, warum.

    Von Schlafproblemen bis zu Selbstmordgedanken

    Die Betroffenen haben keine Lust, etwas zu unternehmen, meistens auch keinen Hunger, wollen nicht mehr unter Leute gehen und haben häufig auch Selbstmordgedanken. Sie werden schnell müde, haben aber trotzdem Schlafprobleme. Auch das Gefühl nichts zu fühlen, selbst dem eigenen Partner gegenüber, kann Teil der Erkrankung sein.

    Die Depression ist nach Angststörungen eine der häufigsten psychischen Erkrankungen. Schätzungen gehen davon aus, dass über fünf Millionen Menschen in Deutschland jetzt gerade eine Depression haben. Zum Vergleich: Berlin hat 3,7 Millionen Einwohner.

    Ursachen

    Die Zahl ist deshalb so hoch, weil die Depression oftmals eine Folgeerkrankung ist. Bei den meisten psychischen, aber auch bei vielen körperlichen Erkrankungen, ziehen sich die Betroffenen zurück. Dadurch haben sie immer weniger soziale Kontakte und erleben auch seltener schöne Dinge. Das ist also wie ein Kreislauf.

    Für eine Depression kann es aber auch (zusätzlich) genetische oder biologische Gründe geben; zum Beispiel hormonelle Veränderungen, wenn unser Körper nicht mehr ausreichend Glücksbotenstoffe produziert. Es kann aber auch an Denkmustern liegen, wie man mit Problemen umgeht. Und es kann auch an Ereignissen liegen, die sehr belastend sind oder waren. Wie bei den meisten psychischen Erkrankungen gibt es auch hier einen Mix aus Faktoren, die zu einer Depression führen können.

    Therapie

    Eine Therapie setzt an unterschiedlichen Ebenen an. So werden mit den Patienten allmählich wieder Aktivitäten aufgebaut. Außerdem werden zugrundeliegende Probleme bearbeitet und Lösungsansätze erarbeitet, die bei künftigen schwierigen Situationen helfen. Bei besonders schweren Depressionen kann es sinnvoll sein, zusätzlich Medikamente zu nehmen.

  • Symbolbild Drogensucht: Ein junger Mann raucht einen Joint. (Quelle: imago/Westend61)
    imago/Westend61

    Vom Genuss zum Haben-müssen

    Eine Sucht, medizinisch gesprochen eine Abhängigkeit, ist das zwanghafte Bedürfnis, eine Substanz zu nehmen oder einer Tätigkeit nachzugehen. Im Falle von Substanzen kann es sich dabei beispielsweise um Alkohol, Nikotin oder etwa Cannabis handeln. Kurzfristig wird mit dem Gebrauch des Suchtmittels eine positive Stimmung erzeugt. Ebbt dieser Zustand wieder ab, wird allerdings das Verlangen nach der Substanz von Mal zu Mal größer.

    Ursachen

    Eine Sucht kann durch körperliche, psychologische und soziale Faktoren entstehen. Unterschiedliche Abhängigkeiten haben unterschiedliche Ursachen: So wird etwa eine Alkoholsucht häufiger durch soziale Faktoren verursacht, eine Medikamentensucht hat dagegen häufiger körperliche oder psychosomatische Ursachen.

    Therapie - Entgiftung und Entwöhnung

    Suchttherapien bestehen zumeist aus zwei Elementen: Der Entgiftung, also dem rein körperlichen Entzug, und der Entwöhnungsbehandlung, die die eigentliche Therapie darstellt. Psychotherapie, Familientherapie, Verhaltenstherapie, Selbstsicherheitstraining und Entspannungstraining können Teil davon sein. Bei Bedarf kann eine Adaptionsbehandlung als zweiter Teil der Entwöhnung angeschlossen werden: eine Art Training, um nun ohne Suchtmittel im Alltag zurechtzukommen. 

    Therapie - KISS

    Eine andere Therapieform ist der sogenannte "KISS"-Ansatz: "Kompetenz im selbstbestimmten Substanzkonsum" ist dabei das Ziel. Hier geht es darum, dem Süchtigen oder Suchtgefährdeten Wege aufzuzeigen, mit der Substanz - aber ohne Kontrollverlust - zu leben.

    Wie bei jeder Therapieform gilt auch hier: Damit eine Therapie funktioniert, muss der/die Suchtkranke etwas ändern wollen.

    Auch hier: Damit eine Therapie funktioniert, muss der/die Suchtkranke etwas ändern wollen.

    Eine andere Therapieform ist der sogenannte "KISS"-Ansatz: "Kompetenz im selbstbestimmten Substanzkonsum" ist dabei das Ziel. Hier geht es darum, dem Süchtigen oder Suchtgefährdeten Wege aufzuzeigen, mit der Substanz - aber ohne Kontrollverlust - zu leben.

    Auch hier: Damit eine Therapie funktioniert, muss der/die Suchtkranke etwas ändern wollen.

  • Symbolbild für Essstörung: Eine Barbiepuppe hat um die Taille ein Maßband gewickelt. (Quelle: dpa/Peter Carroll)
    dpa/Peter Carroll

    Essstörung ist nicht gleich Essstörung

    Bei Essstörungen sind drei Formen besonders weit verbreitet: Magersucht, Bulimie und Binge-Eating.

    Magersucht

    Magersüchtige fühlen sich zu dick, obwohl sie oftmals schon Untergewicht haben. Sie nehmen sich verzerrt wahr und versuchen deshalb so wenig Kalorien wie möglich zu sich zu nehmen. Ein Essen mit Freunden ist für sie eine Qual, so dass sie sich meistens immer mehr zurückziehen. 

    Bulimie

    Bulimieerkrankte versuchen nicht zu hungern, sondern übergeben sich nach dem Essen oder nehmen Abführmittel, um nicht weiter zuzunehmen. Oftmals haben sie Essanfälle, die sie nicht kontrollieren können. Menschen mit einer Bulimie können dabei ein normales Gewicht haben. Sie können aber auch unter- oder übergewichtig sein, so dass die Essstörung lange verborgen bleibt.

    Binge-Eating

    Die häufigste Essstörung ist Binge-Eating. Nach Schätzungen erkranken zwei bis drei Prozent der Bevölkerung daran. Bei der Binge-Eating-Störung gibt es Essanfälle ohne Erbrechen. Die Betroffenen haben daher oftmals Übergewicht. 

    Folgeerscheinungen

    Generell führen Essstörungen meistens zu Folgeerkrankungen. Durch Hungern oder Erbrechen fehlen dem Körper wichtige Nährstoffe; bei Bulimie werden Rachen und Zähne durch die Magensäure stark angegriffen. Selbst Herzrhytmusstörungen können auftreten. Auf seelischer Ebene kommt es häufig noch zusätzlich zu einer Depression, weil die Betroffenen soziale Kontakte eher meiden, meistens weil sie sich schämen oder Geselligkeit zum Feind wird, da dabei häufig gegessen wird. Was in Betroffenen vorgeht, erfahrt Ihr in diesem Video der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

    Ursachen

    Essstörungen treten vor allem in Industrieländern auf, wo es einerseits Essen im Überfluss gibt und andererseits "schlank sein" als Schönheitsideal gilt. Von Magersucht und Bulimie sind Frauen deutlich öfter betroffen als Männer. Typischerweise beginnt die Erkrankung mit der Pubertät. Gründe können unter anderem ein schlechter Umgang mit Problemen sein, schwierige Situationen in der Familie, ein mangelndes Selbstwergefühl, perfektionistische Einstellungen, besonders belastende Erfahrungen, die den eigenen Körper betreffen (zum Beispiel sexueller Missbrauch oder Misshandlungen) oder genetische Faktoren.

    Therapie

    Je nach Art und Ausprägung der Essstörung gibt es verschiedene therapeutische Ansätze, die parallel verfolgt werden. Bei der Behandlung wird ein neuer Umgang mit Essen und dem eigenen Körper erarbeitet. Außerdem werden zugrundeliegende Probleme und Denkmuster bearbeitet, um langfristig die eigenen Bedürfnisse besser erkennen und mit Problemen optimaler umgehen zu können.

  • Symbolbild Schizophrenie: Ein Mann mit Glatze wird von hinten fotografiert, wie er seinen Kopf senkt und diesen mit seinen Händen umgreift. (Quelle: dpa/Arkadius Kozera)
    dpa/Arkadius Kozera

    Nicht das, was viele denken

    Früher wurde diese Erkrankung der Sammelbezeichnung Psychose zugeordnet. Umgangssprachlich bedeutet schizophren oft, dass jemand eine gespaltene Persönlichkeit hat. Das ist allerdings falsch und liegt an einer fehlerhaften Rückübersetzung des Begriffes. Schizophren meint "abgespalten" und bezieht sich eher auf die Wahrnehmung der Betroffenen.

    Die abgespaltene Wahrnehmung

    Die meisten haben akustische Halluzinationen: Sie hören also Stimmen oder haben das Gefühl, dass ihnen jemand Gedanken eingibt. Oftmals fühlen sie sich auch verfolgt oder haben den Eindruck, dass ihre Handlungen von anderen gesteuert werden. Menschen mit einer Schizophrenie verlieren meist das Interesse an den Dingen, die ihnen früher wichtig waren, verhalten sich ziellos und ziehen sich immer mehr zurück. Die Erkrankung kann chronisch – also langfristig – vorhanden sein, aber auch schubweise für ein paar Wochen oder Monate auftreten und immer wieder kommen.

    Ursachen

    Die Ursachen für eine Schizophrenie können sehr verschieden sein. Es gibt genetische Faktoren, die die Krankheit im Zusammenspiel mit anderen Faktoren begünstigen. Dazu gehören unter anderem Drogen, hormonelle Veränderungen, das soziale Umfeld oder Erlebnisse, die als besonders belastend empfunden werden.

    Therapie

    Eine Behandlung wird individuell auf die Situation des Patienten abgestimmt: In einer akuten Phase können Medikamente genommen werden und zusätzlich gibt es auch viele verhaltenstherapeutische Ansätze, so dass die Betroffenen mit der Zeit wieder ein geregeltes Leben führen können.

  • Symbolbild Borderline: Eine Skulptur aus Duisburg sieht aus wie eine Achterbahn. Die Sonne im Hintergrund ist untergegangen und der Himmel mit Wolken verhangen. (Quelle: dpa/Norbert Schmidt)
    dpa/Norbert Schmidt

    Wenn die Stimmung extrem schwankt

    Der Begriff Borderline bedeutet "Grenzlinie". Bei einem Borderliner schwanken häufig Stimmung, Denken und Handeln. Sie leben auf der Grenze zwischen Extremen. Sie denken meist in Schwarz-Weiß-Mustern, es gibt kein "Dazwischen".

    Extreme auch mit den Liebsten

    An Borderline erkrankte Menschen neigen dazu, jemanden oder eine zwischenmenschliche Beziehung zu idealisieren oder zu entwerten. Gleichzeitig haben sie Angst, verlassen oder verstoßen zu werden. Auch hier wird das Leben auf einem Grenzstreifen deutlich: Auf der einen Seite haben sie Angst vor Nähe, auf der anderen Angst vor dem Alleinsein. Teilweise haben sie zusätzlich Angst vor sich selbst und befürchten, die Kontrolle zu verlieren. Dadurch können sie sehr impulsiv sein, was für Freundschaften oft belastend ist. Außerdem neigen sie dazu, sich selbst zu verletzen und haben oftmals ein Gefühl der inneren Leere und zweifeln an sich.

    Ursachen

    Wie bei den meisten psychischen Erkrankungen sind die genauen Ursachen auch bei der Borderline-Erkrankung schwer zu benennen. Sowohl genetische Faktoren, als auch biologische können einen Einfluss haben; zusätzlich aber auch besonders traumatische Erlebnisse in der frühen Kindheit.

    Therapie

    In einer Therapie wird unter anderem versucht, an dem Schwarz-Weiß-Denken zu arbeiten, neue Wege zu finden, um eigene Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken und um den Umgang mit anderen besser zu gestalten. Bei Borderline-Patienten kann es besonders sinnvoll sein, die Familie stärker miteinzubeziehen. Teilweise können auch Medikamente verordnet werden.

  • Symbilbild Panikstörung: Eine rote Leuchte und ein Schild darüber auf dem steht "Störung". (Quelle: dpa)
    dpa

    Schmerzen, Atemnot und Schweissausbrüche

    Die Panikstörung gehört zu den Angststörungen. Obwohl eigentlich keine Gefahr besteht, weil die Betroffenen körperlich gesund sind, bekommen sie plötzlich Panikattacken. Dabei können sie unter anderem Atemnot oder Schmerzen in der Brust haben. Außerdem ist so eine Panikattacke oft begleitet von Zittern, Übelkeit, einem Hitze- oder Kältegefühl und Schweißausbrüchen.

    Die Angst vor der Angst

    Betroffene empfinden dabei eine große Angst zu Sterben und fühlen sich sehr hilflos. Mit der Zeit entwickelt sich eine Angst vor der Angst und es werden Orte und Situationen vermieden, bei denen mal eine Panikattacke auftrat. Viele können dadurch nicht mehr regelmäßig zur Arbeit oder Uni gehen. Manche verlassen teilweise nur noch in Begleitung die Wohnung.

    Ursachen

    Neben genetischen Faktoren, die eine Panikstörung begünstigen können, gibt es meist eine besondere Stresssituation, die eine erste Panikattacke auslöst. Das können beispielsweise der Tod eines Lieblingsmenschen, eine Trennung oder auch eine körperlich bedrohliche Situation wie sexueller Missbrauch oder ein Überfall sein.

    Eine Panikattacke macht noch keine Störung

    Viele Menschen haben im Laufe ihres Lebens mal eine Panikattacke. Von einer Störung wird erst dann gesprochen, wenn sie sich innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen häufen. Dabei entsteht ein Teufelskreis: Die Betroffenen beobachten jede kleine körperliche Veränderung sehr genau, so dass sich die Angst immer weiter aufschaukelt und es zu panikartigen Zuständen kommt.

    Die erlernte Angst

    Psychologen sprechen deshalb von einer erlernten Angst. Beispielsweise hat jemand einen schnellen Puls, weil er dem Bus hinterhergerannt ist, allerdings sehen die Betroffenen nicht diesen Zusammenhang, sondern befürchten einen Herzinfarkt zu bekommen. Dadurch fühlen sie sich im Bus sehr unwohl, steigen – so schnell es geht – wieder aus und neigen dazu, Busse künftig zu meiden. Außerdem entwickeln Menschen mit einer Panikstörung häufig eine Depression oder eine Drogenabhängkeit, da sie versuchen, sich beispielsweise mit Alkohol zu beruhigen.

    Therapie

    Besonders helfen kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze. Dabei wird am Denken und Verhalten der Betroffenen gearbeitet. Jemandem, der unter dieser Störung leidet, wird daher zuerst erklärt, wie es zu Panikattacken kommt und welchen Einfluss das ständige Beobachten zum Beispiel von Herzschlag, Atmung oder Wärmeempfinden des eigenen Körpers hat. Außerdem erfahren sie, dass das panikartige Gefühl immer nur wenige Minuten anhält, wieder von alleine aufhört und für sie nicht gefährlich ist. Dadurch soll die Angst vor der Angst gemindert werden und gelernt werden, besser mit diesen Extremsituationen umzugehen, so dass die Panikattacken im Idealfall mit der Zeit immer weniger werden oder sogar ganz verschwinden.

    Hilfreich sind dabei auch verschiedene Entspannungstechniken. Außerdem können im Rahmen einer Konfrontationstherapie gemeinsam mit dem Therapeuten Orte aufgesucht werden, die von den Betroffenen gemieden werden, weil oftmals schon der Gedanke daran zu Angst führt. Dadurch verlieren die Orte ihre scheinbare Gefahr und die Patienten können wieder alltägliche Handlungen ausführen.

  • Symbolbild Spielsucht: Eine Nahaufnahme eines Spielautomatens mit Geldmünzen mit Pfeilen ist zu sehen. (Quelle: dpa/Rolf Vennenbernd)
    Rolf Vennenbernd

    Spielen bestimmt das Leben

    Glücksspielsucht ist genauso schwerwiegend wie Alkoholsucht und ist tatsächlich eine Krankheit. Bei Betroffenen bestimmt Spielen den kompletten Alltag: Freunde, Familie, der Job, die Uni – alles wird vernachlässigt. Die Gedanken kreisen nur um das nächste Spiel oder darum, wie man Geld dafür beschaffen kann. 

    Unser Belohnungssystem

    Es gibt zwar keine körperliche Abhängigkeit, aber beim Spielen wird ein uraltes Belohnungssystem im Gehirn aktiviert. Beim Gewinnen wird das Glückshormon Dopamin ausgeschüttet und jedes Mal, wenn das passiert, will das Gehirn mehr davon.

    Ursachen

    Glücksspielsucht beginnt meist ganz harmlos. Zuerst ist das Spiel ein Spaß, doch der Mechanismus, dass man mal gewinnt und mal verliert, kann eine Konditionierung unseres Gehirns auslösen. Um zu gewinnen und endlich wieder Glück zu spüren, spielen wir ständig weiter.

    Therapie

    Eine hundertprozentige Heilung ist bei Spielsucht nicht möglich. Die Gefahr rückfällig zu werden, bleibt immer weiter bestehen. Therapien sind ganz verschieden. Ziel ist es immer, neue, andere Glücksmomente zu entwickeln, also einen Ersatz fürs Spielen und einen neuen Umgang mit Geld zu erlernen. Wichtig ist auch ein konkreter Notfallplan für schwierige Momente, in denen sich Betroffene nicht stark genug fühlen.

Kommentar

Hier kannst Du einen Kommentar verfassen.

Kommentar verfassen
noch 500 Zeichen
*Pflichtfelder

Fürs Kommentieren gibt's bei uns Regeln. Und die sind zum Einhalten da:Richtlinien für Kommentare