Der Schriftzug "FIFA WORLD CUP KATAR 2022" auf einer roten Wand, dahinter Wolkenkratzer der Stadt. | Quelle: picture alliance/ dpa/ Federico Gambarini
Bild: picture alliance/ dpa/ Federico Gambarini

Kommentar -  Am Sonntag, den 20. November, ist die Fußball-WM in Katar gestartet. Diese WM ist schon jetzt ein krasses Politikum und stellt Fußball-Fans vor die moralische Frage, ob sie zuschauen oder nicht. Ein Kommentar von Fritze Jan Katona. 

Redakteur Jan Katona in schwarz/ weiß | Quelle: Foto privat, Jan Katona / Hintergrund: Ben Wolf
Foto privat, Jan Katona / Hintergrund: Ben Wolf

Kommentar - Hier könnt ihr den Kommentar von Fritze Jan Katona anhören.

Es rollen keine Strohballen durch die Wüste – sondern Fußbälle durch gekühlte Stadien. Es sind keine Fangesänge und keine Euphorie in der Luft, die jetzt schon zu spüren sein sollte, sondern Anspannung.
In meiner mündlichen Abi-Prüfung ging es um Katar. Damals kam ich zu dem naiven Fazit, dass die WM eine Chance ist: Für Fußball-Fans, die Wirtschaft und für die Bevölkerung vor Ort. Im Studium habe ich mir alles nochmal genauer angeschaut, insbesondere ein Dokument: Die "Qatar National Vision 2030". Diese sieht ein wohlhabendes, im Einklang mit der Natur lebendes Land vor, in dem Gerechtigkeit herrscht.

Es geht hier nicht nur um Fußball, sondern vor allem um eins: Geld.

Die Realität sieht 2022 anders aus!  

Die Menschenrechtslage ist kritisch. Wo vorher nur Sand war, stehen nun Fußballstadien in begrünten Anlagen mit hübschen Springbrunnen. Auf den Baustellen sind unzählige Arbeiter gestorben. Die Ignoranz vieler FIFA-Funktionäre macht mich fassungslos.   

Es geht um mehr als Fußball. 25 Milliarden Euro hat der katarische Staatsfond bereits in Deutschland investiert und sich damit in unseren Alltag eingekauft.  

Nun startet die WM offiziell – unter Freund:innen oder am Fußball-Stammtisch reden wir schon lange über Katar. Diese Gespräche dürfen nach der WM nicht aufhören.

Die WM trotzdem gucken?

Die WM findet nur alle vier Jahre statt und es ist das letzte Turnier der Spieler-Generation, mit der ich aufgewachsen bin. Messi, Ronaldo, Neuer … deswegen werde ich mir die Spiele ansehen, auch wenn ich das Drumherum nicht ignorieren kann.  

Ich bin aber auch ein Fan von Demokratie und Dialog und frage immer noch: Kann die WM eine Chance sein? Ein Begegnungsort diverser Kulturen, für Weltoffenheit, einen friedlichen Austausch?  Ich hoffe es, aber daran glauben tue ich nicht.

Kommentar

Hier kannst Du einen Kommentar verfassen.

Kommentar verfassen
noch 500 Zeichen
*Pflichtfelder

Fürs Kommentieren gibt's bei uns Regeln. Und die sind zum Einhalten da:Richtlinien für Kommentare

1 Kommentar

  1. 1.

    Mehr solche Kommentare, jetzt erst gefunden!