Verschiedene Lebkuchenherzen mit verschiedenen Kosenamen hängen an einem Stand. (Quelle: IMAGO | Westend61)
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Liebe, Sex und Vertrauen - Offene Beziehungen und Polyamorie - Warum immer mehr Menschen mehrere Beziehungen haben.

Die Dating-App "Tinder" wird zehn Jahre alt. Und wer dort oder in anderen Apps unterwegs ist, der/die wird schon mal des Öfteren in den Profilen gelesen haben: "in einer offenen Beziehung" oder "polyamor lebend". Das zeigt: Lieben und Beziehungen führen, das geht sehr vielseitig!

Was genau sind denn offene Beziehungen und Polyamorie? Gibt es dazwischen Unterschiede?

Ja, es gibt Unterschiede. Bei offenen Beziehungen geht es vor allem um die Gestaltung der Beziehung, nicht zwingend um Liebe, sondern darum, Bedürfnisse auch mit Menschen außerhalb der Partner:innenschaft ausleben zu können. Polyamor sein, beschreibt die Fähigkeit, mehrere emotionale Liebesbeziehungen mit unterschiedlichen Menschen zeitgleich eingehen zu können.

Welche Bedürfnisse und Erwartungen haben Menschen, die Beziehungen mit mehr als einer anderen Person führen?

Anders als viele vielleicht denken, ist es nicht einfach nur das Bedürfnis nach mehr Sex, auch wenn das oft der erste Zugang zu einer offenen Beziehung oder Polyamorie ist. Das hat mir Saskia Hentschel-Bensch erzählt, sie ist Psychologin und berät Menschen in offenen Beziehungen: "Erfahrungsgemäß bleibt es nicht dabei, sondern dadurch, dass Menschen mit anderen in Kontakt kommen, sich mit ihren Grenzen und Bedürfnissen auseinandersetzen, entstehen häufig Verbindungen, die über sexuelle Begegnungen hinausgehen."

Eine Studie der York Universität hat in dem Zusammenhang übrigens auch gezeigt: Fürsorge und Vertrauen steht in langjährigen Partner:innenschaften immer vor Erotik - egal ob monogam oder nicht.

Dann sind die Herangehensweisen an monogame und nicht monogame Beziehungen im Grunde also gar nicht so unterschiedlich?

Das stimmt. Trotzdem hebt die Psychologin Saskia Hentschel-Bensch einen Aspekt bei offenen Beziehungen und Polyamorie besonders hervor: "Die Bereitschaft, eigene Anteile an Dynamiken zu erkennen und auch zu reflektieren und zu lernen, Bedürfnisse und Grenzen zu erfühlen und auszusprechen, also die Bereitschaft zu einer ausführlichen Kommunikation mit uns selbst und mit unseren Gegenübern."

Es ist wie es ist: In der Liebe geht nichts ohne Kommunikation und Selbstreflexion - egal, wie viele Beziehungen man gleichzeitig führt und wie viele Menschen man gleichzeitig liebt.

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