Auf einer Demo wird ein Schild mit der Aufschrift "Love is Love" hochgehalten. (Quelle: IMAGO | Moritz Schlenk)
Bild: IMAGO | Moritz Schlenk

Ehe für alle - Queere Eheschließungen - die gibt es in Deutschland erst seit fünf Jahren. Aber was gilt seitdem genau, wie wurde die Ehe für alle angenommen und welche Hürden gab es bis zur Gesetzesänderung? Wir schauen zurück.

Heiraten durften lange Zeit nur heterosexuelle Paare. Aber seit fünf Jahren gibt's in Deutschland die "Ehe für alle". Seit dem 1. Oktober 2017 ist Deutschland damit eines von 30 Ländern weltweit, in denen auch gleichgeschlechtliche Paare heiraten dürfen.

Aber was genau gilt seit fünf Jahren?

Seitdem gilt, dass zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts standesamtlich heiraten dürfen. Das umfasst auch intergeschlechtliche und nicht-binäre Menschen mit offenem oder diversem Geschlechtseintrag.

Aber René Mertens, der Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschlands, des LSVD, sagt, rechtlich sind queere Menschen immer noch nicht gleichgestellt, das zeigt sich zum Beispiel beim Familien- und Abstammungsrecht: "Wenn heute ein Kind in die Ehe von zwei Frauen geboren wird, ist es leider immer noch so, dass eine Frau biologisch Mutter wird, aber die zweite Ehefrau nicht. Die muss durch das Stiefkindadoptionsverfahren. Das heißt, das Kind hat rein rechtlich nur ein Elternteil. Das ist bei heterosexuellen Paaren nicht so."

In heterosexuellen Ehen wird laut Mertens der Ehemann automatisch Vater, wenn ein Kind in die Ehe geboren wird - unabhängig davon, ob er biologischer Vater ist oder nicht.

Der LSVD sieht also noch Gleichstellungsbedarf. Wie viele queere Menschen haben sich denn seitdem für eine Ehe entschieden?

Das Statistische Bundesamt sagt, bis Ende letzten Jahres sind rund 65.600 gleichgeschlechtliche Ehen geschlossen worden. Fast neun Prozent davon in Berlin - das ist überproportional viel. Gut drei Prozent davon in Brandenburg - dazu zählen auch eingetragene Lebenspartnerschaften, die in Ehen umgewandelt wurden. Das Konzept der Lebenspartnerschaften gab's für gleichgeschlechtliche Paare ja bereits vor der "Ehe für alle", nämlich bereits von 2001 bis 2017.

Und seit wann haben sich queere Menschen für eine Öffnung der Ehe eingesetzt? Wie war der Weg dahin?

Der Sprecher des LSVD spricht von einem Kampf. Der hat 1992 mit der sogenannten "Aktion Standesamt" angefangen: "Damals haben lesbische und schwule Paare einfach die Standesämter gestürmt und wollten das Aufgebot bestellen."

Das Aufgebot bestellen - also sich anmelden, um eine Ehe zu schließen - das durften Schwule und Lesben damals noch nicht. Es war also eine Protestaktion. Danach hat es noch 25 Jahre gedauert, bis die Ehe für alle geöffnet wurde. Zum Vergleich: In den Niederlanden, dem weltweit ersten Land, ist das schon 2001 passiert.

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