"Respekt - Kein Platz für Rassismus" steht auf einem Schild geschrieben, das beim 13. Open-Air-Musikfestival "Jamel rockt den Förster" von der Sonne angestrahlt wird. Das zweitägige Musikfest gegen rechte Gewalt, Fremdenfeindlichkeit und Hass wird im Garten der Familie Lohmeyer veranstaltet. (Quelle: dpa/Rainer Jensen)
Bild: dpa/Rainer Jensen

- Hatespeech - so wehrt Ihr Euch

"Als Muslima und als dunkelhäutige Frau, bin ich quasi eine wandelnde Zielscheibe": Haterkommentare kriegt sie einige zeigt Euch, wie Ihr Euch wehrt - auch mit Apps.

Das sind harte Zeiten im Netz. Es wird immer mehr gehatet und getrollt, das ganze Internet scheint überzulaufen mit Hasskommentaren. Die Klimaaktivistin Greta Thunberg scheint ein Abo für Morddrohungen zu haben und die Grünenpolitikerin Renate Künast muss sich Kommentare wie "Drecksf****" gefallen lassen. Laut dem Landgericht Berlin gilt das als "sachbezogene Meinungsäußerung". Im Netz wird diese Entscheidung heftig kritisiert.

"Absolute Schande" und "Absolut geistiger Dünnschiss"

Sadé muss sich im Internet einiges gefallen lassen. Sie ist Model und Speakerin für feministische und religiöse Themen: "Als Muslima und als dunkelhäutige Frau in Deutschland, bin ich quasi eine wandelnde Zielscheibe." Unter ihren Videos stehen Kommentare wie "Absolute Schande", "Vier Tonnen Schminke im Gesicht, aber Kopftuch tragen" oder "Absolut geistiger Dünnschiss". Früher hat sie sich das sehr zu Herzen genommen: "Mein Tag war erstmal gelaufen. Ich wollte nicht mehr gesehen werden. Ich habe sogar angefangen, mich unauffälliger zu kleiden."

"Block, delete and report."

Inzwischen steht Sadé einfach drüber. Das hat sie auch ihrer Mutter zu verdanken, die ihr einen Rat gegeben hat, der für sie sehr wichtig ist: "Wenn du hinter dem stehst, was du machst, ist doch egal, was alle anderen denken. Lass die Menschen hassen, wenn sie hassen wollen." Seitdem hat Sadé eine ganz klare Strategie, wenn ihr Hass im Netz entgegengeschleudert wird: "Block, delete and report."

Weil der Hass im Netz in den vergangenen Jahren immer mehr zugenommen hat, gibt es jetzt auch immer mehr Initiativen, die sich gegen das Cybermobbing einsetzen:

Hilfe bei Hatespecch im Netz

  • Eine Online-Plattform, die kostenlos lustige GIFs und Memes anbietet. Die können Betroffene wunderbar als Konter verwenden und dem Hass einfach mit Humor begegnen. Für alle Fälle von Netzhass, gibt es dort eine schlagfertige Antwort, sortiert nach Themenfeldern wie Antisemitische Hatespeech, Antimuslimischer Rassismus oder Sexismus.

  • Die spendenbasierte Initiative leistet technischen und rechtlichen Beistand bei Netzhass und ist so etwas wie die Nummer gegen Kummer bei Netzhass. HateAid bietet eine kostenlose Beratung an, stellt wenn nötig auch einen Anwalt oder eine Anwältin und übernimmt die Prozesskosten.

  • In der kostenlosen App kann man Hasskommentare über ein Formular melden. Nachdem es von den Betreibern überprüft wurde, geht eine Art Alarm an die LOVE-Storm-Community raus und die schließt sich zusammen, um dem Hass mit Liebe zu begegnen. Quasi ein Lovestorm gegen den Shitstorm. Lässt sich auch im Browser nutzen.

"Fettenfeindliche Kommentare, aber auch sexistische"

Für Yasmine gehören Hasskommentare inzwischen auch zu ihrem Online-Alltag. Als freie Autorin schreibt sie über religiöse Themen, moderne Muslimas und zeigt sich so, wie sie ist. Dafür wird sie angefeindet: "Die Hasskommentare, die ich bekomme, kann man eigentlich sehr gut aufteilen. Zum einen sind das fettenfeindliche Kommentare, aber auch sexistische, in denen mir nachgesagt wird, ich sei untervögelt oder Hasskommentare mit einem religiösen Hintergrund, die meistens aus der muslimischen Community kommen." 

"Mich spornt das eher an, als dass es mich trifft."

Für Yasmine ist der Umgang mit den Hasskommentaren schon beinahe zu einem Sport geworden. Sie nimmt sich die Anfeindungen nicht zu Herzen und reagiert lieber zynisch. "Die Hater rechnen nicht damit, dass du ihnen Kontra gibst. Mich spornt das eher an, als dass es mich trifft. Besonders dann, wenn die Kritik nicht konstruktiv ist." Und Yasmine muss sich heftige Kommentare gefallen lassen wie "Sie sind das beste Beispiel für untervögelte Frauen in Deutschland, die ihre sinnlose Meinung für sich behalten würden, würde ein Mann ihnen die Leviten lesen." Oder "Du bist eine Schande für alle Muslime, weißt du das? Bist wie eine Ungläubige und befleckst unseren guten Ruf."

Nadia Sade, im beigen Pullover mit Kopftuch und Fritzin Shalin Rogall im rosa Pullover vor einer grauen Wand. Die Arme haben beide verschränkt. (Bild: Fritz/Juliane Gunser)
Fritz/Juliane Gunser

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1 Kommentar

  1. 1.

    sooo krass und traurig!