Der Schriftzug "LeFloid" auf einem schwarzen Hintergrund (Quelle: Piper)
Bild: Piper

- "Willkommen im Real Life"

Ein absoluter Pageturner

Fritz meint:

Für viele ist er so der Klischee-YouTuber: aufgeregte Spreche und schnelle Cuts in den Videos: Bam, bam, bam hier ist LeFloid!

Über drei Millionen Leute haben seinen Kanal abonniert. Er macht dort verschiedene Formate: News, Gaming, eine Kochshow, eine Reisedoku. FritzReporterin Henrike Möller war nicht der größte LeFloid-Fan - bis sie sein neuestes Buch gelesen hat.

Hohe Erwartungshaltung

"Willkommen im Real Life. Mein Leben zwischen Freunden, Fakes und Fakten". Wer auch immer sich diesen Buchtitel ausgedacht hat, gehört bestraft. Ihr könnt es aber auch positiv sehen: Er hält die Erwartungshaltung sehr weit unten. Ihr könntet mit peinlichen, aufgeblähten Anekdoten aus LeFloids Leben rechnen. Immehin ist der Typ 31 Jahre alt. Wieso schreibt der da überhaupt schon eine Biografie?

Die Antwort ist: Weil er's kann. Im doppelten Sinne. Er ist bekannt genug, dass sich das Teil auch verkauft. Und zweitens ist das Buch ein absoluter Pageturner.

Private Einblicke bei Dreharbeiten

"Ich bin überzeugter Atheist. Das Konzept von Religion ist: Wenn du etwas geschafft hast, dann ist das der Wille Gottes. Aber wenn es für dich mal scheiße läuft, dann bist du schuld. Und warum? Weil du nicht gottesfürchtig genug warst. Weißt du, was das ist? Das ist das Verhalten eines Schwerstdepressiven: Ich schreibe anderen meine Erfolge zu und ich selbst bin nur für meine Misserfolge verantwortlich."

Zugegeben, das ist das krasseste Zitat des ganzen Buches. Aber der Rest ist auch spannend. Wenn LeFloid erzählt, wie er letztes Jahr bei den Dreharbeiten zu einer Reisedoku beinahe zusammengebrochen wäre. 70 Flüge in sieben Monaten. An einem Tag läuft er durch die Slums Kenias, wo es nach Fäkalien und offenen Wunden riecht. Den Geruch hat er noch in der Nase, als er sich plötzlich in einer protzigen Suite in Dubai wiederfindet. Schuldgefühle quälen ihn. Auch weil er seine Begeisterungsfähigkeit auf dem Weg verloren hat.

Biografie mal anders

Die biografischen Parts sind die spannendsten. LeFloids neues Buch ist aber keine Biografie im klassischen Sinn. Es ist ein niedergeschriebener Dialog zwischen ihm und dem Comedian und Autor Tommy Krappweis.

Und der fragt LeFloid auch viel nach seiner Meinung: Was hältst du von den Öffentlich-Rechtlichen? Ab wann glaubst du ist man erwachsen? Warum ziehst du als Ur-Berliner nach Brandenburg?

Das restliche Drittel des Buches sind Tipps rund um Social Media. LeFloid erklärt, wie er mit Trollen umgeht, mit Hassrede, mit Copyrights.

YouTube-Bashing

Mutig ist auch sein Bash gegen die Plattform, mit der er sein Geld verdient: YouTube. Wer hohe Abrufzahlen hat und YouTube deshalb viel Geld bringt, hat Narrenfreiheit, so sieht das LeFloid.

Damit spielt er auf den bekannten YouTuber Paul Logan an, der die Leiche eines Selbstmörders gefilmt hatte. Clickbait funktioniere auf YouTube leider immer noch bestens, schlussfolgert LeFloid.

Zum Glück ist sein Buch kein billiges Clickbait. Wie auch - bei dem Titel.

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