Das Foto zeigt einen Ausschnitt des Covers des Buches "Alle anderen können einpacken" von Christian "Pokerbeats" Huber. (Quelle: Rowohlt)
Bild: Rowohlt

- "Alle anderen können einpacken"

Kitschfreie Weihnachten

Fritz meint:

Das Grauen im Buchhandel in der Vorweihnachtszeit ist der ominöse Tisch mit Büchern direkt zum Thema Weihnachten. Macht Ihr wahrscheinlich auch einen großen Bogen drum. Ein Griff auf den Tisch könnte sich aber gerade lohnen.

Da liegt in diesem Jahr das zweite Mal ein Roman mit Weihnachtsthema von einem ziemlich coolen Typen. Einem der bekanntesten Twitterer, der durch Wortwitz und Gags und ohne jeglichen Promifaktor bekannt wurde und der Gags für zum Beispiel Jan Böhmermann schreibt: Christian "Pokerbeats" Huber. Eine Art Comedy-Roman namens "Alle anderen können einpacken". Das Setting: Weihnachten zu Hause verbringen. FritzKollegin Anneli Rienecker hat das Buch gelesen.

Weihnachten mit der Familie

Bastian Kollingers Familie ist speziell und doch so wie jede andere. Der Vater schreibt Bad-Benutzungs-Zeitpläne, wenn die Familie zu Weihnachten kommt, Opa hält eine Stange Zigaretten für eine tolle Geschenkidee für einen 11-Jährigen und sein Bruder ist jetzt mit der eigenen Ex zusammen. Und eben diese Familie trifft sich dieses Jahr wieder in der bayrischen Heimat. Was Bastians Eltern noch nicht wissen: Heiligabend ist er woanders eingeladen, im Nachbarort bei Karina, seiner Freundin, um ihre Eltern kennenzulernen.

Peinliche Momente

Richtig blöde, dass er Karinas Vater bereits vorher unwissentlich trifft. Wörtlich. Mit dem Einkaufswagen auf dem weihnachtsgestressten Aldi-Parkplatz, direkt am geliebten Oldtimer inklusive Riesenschramme. Peinliche Momente und ausweglos scheinende Situationen kann Bastian gut. Als sein schrulliger Opa ohne Brille fast blind und ohne Hörgerät fast taub das Bad betritt, als Bastian duscht, liegt man vor Lachen fast unterm Weihnachtsbaum.

Die Gute Art von Fremdscham

Bei Ich-Erzähler Bastian kreuzen sich immer wieder die Schwiegereltern-Kennenlern-Geschichte und absurde Situationen, weihnachtliche Familienmacken und Bastians Talent, erst den Mund aufzumachen und dann zu überlegen. Ich hab mich ganz oft in Fremdscham vergraben und doch weitergeblättert, weil man immer wieder glaubt: Aus der Nummer kommt der nicht mehr raus.

Weihnachtsgeschichte ohne Kitsch

Mit so unabgegriffenen Metaphern ist das Buch leicht und witzig geschrieben, dass man ständig denkt: "Ja genau, ich hab noch nie drüber nachgedacht, aber das kenn ich genau so". Zum Beispiel, wenn er die Weihnachtseinkaufenden als in panikgeratene Gnu-Herde beschreibt oder beim Zwiebelnhacken von Tränen spricht, die ihm in die Augen schossen, wie einem Teenie-Mädchen beim Ende von Titanic. Der Weihnachtsroman liest sich superschnell und ohne auch nur einen Funken Kitsch zu streifen, ist er dann doch irgendwie eine Weihnachtsgeschichte mit einem großen Löffel voller Liebe für die schrullige Familie, in der man immer wieder die eigene erkennt.

Mehr Bücher

RSS-Feed

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
noch 500 Zeichen
*Pflichtfelder

Fürs Kommentieren gibt's bei uns Regeln. Und die sind zum Einhalten da:Richtlinien für Kommentare

Auch auf fritz.de

RSS-Feed