Das Foto zeigt einen Ausschnitt des Covers des Buches "Troll" von Michael Hvorecky. (Foto: Klett-Cotta)
Bild: Tropen Verlag

- "Troll"

Dystopie voller Fehlinformationen

Fritz meint:

Internettrolle, Desinformation, politische Kampagnen: Diese Themen begleiten uns spätestens seit der Wahl von Donald Trump. Kein Wunder also, dass auch Romane davon beeinflusst werden. Zum Beispiel "Troll" von Michal Hvorecky. In seiner Dystopie überlegt er, wie unsere Welt in naher Zukunft aussehen könnte, wenn sie auf diesem Kurs bleibt. FritzReporter Hagen Terschüren hat das Buch gelesen.

Desinformation hat gewonnen

Europa ist noch gespaltener als früher. Ost gegen West. Die Waffen des kalten Krieges wurden durch Internetarmeen ersetzt. Was früher die Fußsoldaten waren, sind heute die Trolle. Und sie leisten ganze Arbeit. Desinformation hat gewonnen. Kinder werden nicht mehr geimpft aus Angst vor der bösen Pharmaindustrie. Als Folge sind längst ausgestorbene Kinderkrankheiten zurück. Auch unser namenloser Erzähler ist so aufgewachsen. Entstellt durch die Wissenschaftsfeindlichkeit der Eltern, wurde er zu einem der Trolle, der mit gefälschten Reden Stimmung gegen den Westen macht.

Zwischen Fiktion und Realität

Das macht er so lange, bis er Johanna kennenlernt. Johanna ist Fan alter russischer Science-Fiction und zeigt dem Erzähler verbotene Dissidentenbücher. Als Leser identifizieren wir uns mit ihr und ihrer kritischen Perspektive gegenüber "Troll". Ihre Meinungen und ihr Blickwinkel dienen dazu, zu überlegen, was man gegen das faschistische Regime machen kann. Gleichzeitig müssen die beiden zusammen weiterhin Desinformation und Hetze verbreiten, um nicht aufzufliegen. Das führt dazu, dass sie bald selbst nicht mehr zwischen Fiktion und Realität unterscheiden können.

Es fühlt sich real an

Und hier spielt "Troll" seine Stärken aus. Die Dystopie, die Michal Hvorecky zeichnet, fühlt sich real genug an, um einem beim Lesen eine Gänsehaut zu geben. Der Gedanke, dass das wirklich passieren könnte, kommt mehr als einmal auf. Kein Wunder - schließlich wissen wir inzwischen, dass selbst in demokratischen Ländern Trolle eingesetzt werden, um die politischen Gegner zu diffamieren. Das, in Kombination mit dem großen Erfolg, die extrem rechte Parteien heute haben, macht "Troll" äußerst effektiv.

Kleiner Makel

Trotzdem ist das Buch nicht perfekt. Die Charaktere hätten definitiv mehr Tiefe vertragen können. So dienen sie nämlich nur dazu, die Story voranzutreiben und die Dystopie der Welt auszumalen. Das ist aber nur ein kleiner Makel auf den sonst verdammt spannenden 215 Seiten.

Hier gibt es ein Interview mit Michal Hvorecky bei Trackback

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