AFD-Aussteigerin Franziska Schreiber (Quelle: Europa Verlag/Ove Landgraf)
Bild: Europa Verlag/Ove Landgraf

- "Inside AfD - Der Bericht einer Aussteigerin"

Ungeschönt und selbstkritisch

Fritz meint:

Süchtig nach negativen Nachrichten, bekannt als eine vom "rechteren Rand" und mit 27 Jahren schon überzeugte Vorsitzende und Pressesprecherin der Jungen Alternativen, der Jugendorganisation der AfD in Sachsen. Dann wacht Franziska Schreiber - wie sie sagt -  auf, steigt aus der AfD aus und schreibt ein Buch. Sie will zeigen, wie die Partei wirklich ist und wie gefährlich sie ist. FritzReporterin Jule Kaden hat sich das Buch, das bereits für mächtig Wirbel gesorgt hat, durchgelesen.  

Gänsehaut-Lektüre

Obacht! Beklemmung, aufgestellte Nackenhaare und einige "What the Fuck"-Momente können beim Lesen der 208 Seiten auftreten. 

Das was Franziska Schreiber da schreibt, ist zwar nichts Neues. Aber es kommt von einer, die mal - wie sie es nennt - nur noch ihre AfD-Wahrheit kannte. Von einer, die nicht - wie in der AfD gern gesagt - zu den "links-rot-grün-versifften 68er"-Menschen oder Journalisten gehört. Eine, die zugibt, Statistiken für Facebook so verfälscht dargestellt zu haben, dass Angst geschürt und rechte Ohren angesprochen wurden.  

Manchmal wie ein Soap-Drehbuch

Erschreckend und spannend, ungeschönt auch ihrer eigenen Verblendung gegenüber, erzählt Franziska Schreiber ihre empfundene Wahrheit über die AfD, wie es in der Partei jenseits des offiziellen Programms gewesen sei.

Manchmal liest sich ihre Variante des AfD-Parteilebens wie ein Soap-Drehbuch, in dem gelogen, betrogen, diffamiert und Angst gemacht wird, wenn einer nicht ganz "linientreu" ist: "Wer in der AfD in einer WhatsApp-Gruppe schreibt, so könne es nicht weitergehen, und [..] werde andernfalls austreten, dann quittierten die "Freunde" das mit dem Wort 'Verräter' oder mit Bildern von toten Ratten, verbunden mit dem Hinweis, so würden Verräter behandelt."

Austritt vor der Bundestagswahl

Franziska Schreiber erzählt von Kooperationen mit NPD-Anhängern, Nazi-Schlägern und mit Aktivisten der rassistischen "Identitäten Bewegung". Und davon, wie für sie irgendwann doch alles kippt und sie kurz vor der Bundestagswahl 2017 austritt und für sich erkennt: "Heute ist die AfD, was Kritiker ihr zu Unrecht schon in den ersten Monaten ihres Bestehens vorwarfen: eine nationalistische, rassistische, xenophobe Partei."

Franziska Schreiber zu Gast im Blue Moon

Trotz Schwächen eine absolute Leseempfehlung, weil das Buch Euch fordert und dabei ziemlich unschön-ehrlich ist. Franziska Schreiber hat wegen des Buches ordentlich Stress mit ehemaligen Parteikollegen bekommen, Verfassungsschutzpräsident Maaßen in Erklärungsnot gebracht, Drohungen bekommen und ein paar Klagen sind Ihr auch schon ins Haus geflattert.

Am 1. Oktober war sie zu Gast im Blue Moon bei RadioFritze Konrad Spremberg. Dort hat  Franziska Schreiber über ihren AfD-Werdegang berichtet und Eure Fragen beantwortet.

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