Das Foto zeigt eine Nahaufnahme von Donald Trumps Augen. (Quelle: Simon + Schuster Inc.)
Bild: Simon + Schuster Inc.

- "Fear: Trump in the White House"

Schockierend, aber wahr

Fritz meint:

"Du bist ein verschissener Lügner!" solltet Ihr besser nicht zu Eurem Boss sagen. Schon gar nicht, wenn der Atomwaffen hat. Der Boss in diesem Fall ist Donald Trump. Doch genau das ist der Umgangston im Weißen Haus. Zumindest laut "Fear: Trump in the White House", einem Enthüllungsbuch von Bob Woodward, der seit Jahrzehnten über das Weiße Haus berichtet. Die englische Version ist bereits draußen und FritzReporter Hagen Terschüren hat es über Nacht gelesen. Er sagt Euch, ob das Buch, das im Oktober auch hier erscheint, so schlimm ist, wie Ihr bei Trump vielleicht vermutet.

Surreale Vorfälle

Nach diesem Buch kriegt Ihr das Bedürnis, Euch einen Bunker zu mieten und Euch zu verstecken, wetten?! So zu surreal mutet alles an, was in dem Buch passiert: Da ist etwa der Plan, ein Handelsabkommen mit Südkorea aufzukündigen. Den klauen Trumps Berater aber wohl regelmäßig vom Schreibtisch, in der Hoffnung, dass er den Plan vergisst. Schließlich ist an das Abkommen ist auch die Technik gekoppelt, die es den USA ermöglicht Atomraketenstarts aus Nordkorea in sieben Sekunden zu bemerken, statt erst nach einer Viertelstunde.

Wutanfall im weißen Haus

Ein anderes Beispiel: Nach dem rechtsextremen Terror in Charlottesville sprach Trump erst von Gewalt, aber auch guten Leuten sowohl auf der linken, als auch der rechten Seite. Das ging so in die Hose, dass seine Berater ihn breitgeschlagen haben, noch ein Statement zu veröffentlichen, in dem er sich wenigstens von Nazis und dem Ku-Klux-Klan distanziert. Doch direkt nach dem Statement bekam Trump angeblich einen Wutanfall: "Das war der verdammt nochmal größte Fehler, den ich je gemacht habe. Man macht niemals solche Zugeständnisse! Man sollte sich niemals entschuldigen! Ich habe überhaupt nichts falsch gemacht! Warum sollte man Schwäche zeigen?"

Einer der besten Journalisten der Welt

Bob Woodward gilt als einer der besten Journalisten der Welt. Er schreibt nicht nur seit Jahrzehnten über das Weiße Haus, er war 1972 sogar an der Aufdeckung der Watergate-Affäre beteiligt. Damit war er auch für den Fall von Präsident Nixon mitverantwortlich. Für "Fear" hat er sich mit unzähligen Quellen zusammengesetzt und deren Erzählungen nochmal von anderen Seiten bestätigen lassen. Es wird vermutet, dabei handelt es sich um hochrangige Mitarbeiter und Ex-Mitarbeiter aus dem Weißen Haus. Die meisten Gespräche wurden auch mitgeschnitten und manche Quellen hat er sieben, acht, neun Mal getroffen. Größere Sorgfalt ist also kaum möglich.

Wie ein Polit-Thriller

Nicht nur wegen dieser Akribie ist das Buch lesenswert. Woodward hat die ganzen Aussagen zu einem Polit-Thriller verwoben, auch wenn es ein Sachbuch ist. Das Ganze ist chronologisch aufgebaut und meistens folgt man Trumps wichtigstem Wirtschaftsberater Gary Cohn, der später kündigt, weil Trump nicht auf ihn hört. Und dann auch Trumps Anwalt John Dowd, der später kündigt, weil Trump nicht auf ihn hört. Es ist also wirklich spannend, aber... hat jetzt jemand einen Bunker oder nicht?

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