Margarete Stokowski bei einer Lesung (Foto: imago/Votos-Roland Owsnitzki)
Bild: imago/Votos-Roland Owsnitzki

- "Die letzten Tage des Patriarchats"

Alltag in der Männerwelt

Fritz meint:

Die Diskussion um die Frauenquote oder die #metoo-Debatte zeigen: Gleichberechtigung ist auch heute noch ein großes Thema, über das viel geredet wird. Margarete Stokowski ist eine der wichtigen Stimmen des Feminismus. Ihr neues Buch heißt "Die letzten Tage des Patriarchats". FritzReporterin Leonie Schwarzer hat es gelesen.

Gesammelte Kolumnen

Der Titel klingt nach einer Kampfansage, das Buch ist aber eigentlich eher eine Bestandsaufnahme - eine sehr gelungene kritische Beobachtung des Alltags. Margarete Stokowski schreibt Kolumnen und Essays für die taz und Spiegel Online und versammelt in diesem Buch quasi ein "Best Of" seit 2011.

Die Texte sind sortiert nach Themen, zum Beispiel gibt es die Kapitel "Flirten und Vögeln und Liebe" oder "Medien und Diskurs". Es geht um die vielen Ungleichheiten im Alltag wie fehlende Unisex-Toiletten oder wie schwierig es ist, im Baumarkt eine Arbeitslatzhose für Frauen zu finden. Dazu befreit Stokowski den Feminismus von Vorurteilen.  

Macht, was ihr wollt!

Feministin zu sein heißt für Margerete Stokowski nicht, dass man sich nicht die Achseln rasieren darf, sondern, dass jeder Mensch die gleichen Rechte und Freiheiten haben soll. Unabhängig von Geschlecht, Sexualität und Körper. Das kann bedeuten sich, nicht die Achseln zu rasieren oder aber halbnackt zu tanzen. Wie jede will.

Stokowskis Kolumnen könnte man theoretisch auch online nachlesen. Das Buch zu kaufen lohnt sich trotzdem. Die Texte sind um weitere Infos und Einordnungen ergänzt. Wir erfahren, welcher Text besonders viele Hasskommentare hervorgerufen hat oder wie anderer Journalisten reagiert haben. Es macht Spaß, die Kolumnen an einem Stück zu lesen, weil man dabei alle möglichen Ereignisse nochmal Revue passieren lässt. Sie erinnern an den Einzug der AfD in den Bundestag, die #Metoo-Diskussion oder die Ausschreitungen beim G20-Gipfel.  

Wollt Ihr wie Vorderschinken in der Auslage sein?

Das Buch ist so geschrieben, dass es jeder versteht. Egal, ob man Gender Studies studiert hat oder nicht. Gerade weil Stokowski Alltagssituationen schildert, ist das ganze wunderbar anschaulich und eindrücklich.

Zum Beispiel, wenn es um das Vorurteil geht, dass sich Männer durch Feminismus nicht mehr "trauen" zu flirten. Margarete Stokowski schreibt darauf, ob man so eine Art der Anerkennung denn überhaupt will. Also sich als Frau wie ein Stück Vorderschinken in die Auslage zu legen um zu warten, bis einer kommt. Margarete Stokowski schafft es, deinen zum Lachen zu bringen und gleichzeitig wütend zu machen. Klare Leseempfehlung!

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