Es ist ein Arm mit einem Impfpflaster zu sehen. Auf dem Pflaster ist ein mit Kugelschreiber gemaltes Smilie. (Quelle: imago/Frank Sorge)
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Impfneid - "Wieso wird die jetzt schon geimpft und ich nicht?" - Wie du mit deinem und dem Impfneid anderer umgehen kannst und warum immer mehr junge Menschen geimpft werden.

Sie sind gerade beliebter als "früher" ein Platz in der Schlange vorm Berghain: Impfeinladungen, um sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. Vielleicht habt ihr auch schon geimpfte Freunde mit 20 oder 30 Jahren und hattet insgeheim dieses "Wieso darf der? Wieso ich noch nicht?!". Impfneid nennt sich das.

Wieso wir auf junge Menschen neidisch sind, aber nicht auf alte

Katja Corcoran, Professorin an der Uni Graz in Österreich ist DIE Neid-Forschungs-Expertin schlechthin und sagt: "Neid entsteht wenn andere etwas haben, was ich nicht habe, aber gern möchte." Warum gerade wir junge Menschen aufeinander neidisch sind? Ganz klar, sagt sie: "Man vergleicht sich vor allem mit Menschen, die einem ähnlich sind. Junge Menschen dann mit jungen. Deshalb sind wir auch weniger neidisch auf Alte, weil man besser nachvollziehen kann, warum die das dringender brauchen, als man selber."

Wieso haben einige junge Menschen schon Impfeinladungen, andere noch nicht?

Aktuell werden Priogruppe 1 und 2 geimpft, also neben den Ü70-Leuten vor allem chronisch oder Schwerkranke. Das betrifft dann auch einige junge Menschen - mit Krebs, Depressionen oder mit transplantierten Organen. Aber zu den Priogruppen gehören auch Grundschullehrer:innen, medizinisches Personal, oder jemand pflegt gefährdete Angehörige oder ist eine enge Kontaktperson einer Schwangeren. Dadurch bekommen auch wir jungen Menschen eine Impfeinladung, obwohl sie eigentlich in der letzten Impfgruppe sind.

Wie du während des Wartens den Neid loswirst

Lass dein Ego sein und versuch, die Perspektive zu wechseln, empfiehlt Katja Corcoran: "Sich nochmal bewusst machen, wie wichtig es ist, dass möglichst viele sich impfen lassen und dass es uns allen hilft, aus der Pandemie rauszufinden und es könnte sich Dankbarkeit einstellen, wenn wir erfahren, dass sich andere haben impfen lassen." Umdenken quasi.

Und außerdem: Junge Menschen, die wegen einer schweren Krankheit jetzt schon geimpft werden, oder weil sie jemanden pflegen müssen, sind eigentlich nicht zu beneiden. Es hilft also zu sehen, dass es einem in manchen Bereichen sogar besser geht als dem, auf den man wegen seiner Impfung neidisch ist.

Darf ich nachfragen: "Wieso bist du schon geimpft?"

Katja Corcoran sagt, es gibt zwei Aspekte, was das Hinterfragen des Impfgrundes angeht. Zum einen sagt sie: "Wenn wir erfahren und nachvollziehen können, warum wer geimpft wird, hilft uns das, mit unserem Neid umzugehen". So entwickele man auch keine negativen Gefühle der anderen Person gegenüber. Jedoch sollte man auch nicht nachbohren, "denn vielleicht will mein Gegenüber auch nicht über die persönlichen Hintergründe Auskunft geben." Das wichtigste beim Erfragen des Grundes, sagt Katja Corcoran: "Fragen, ohne Vorwurf!"

Vielleicht hilft auch, was Spahn und die Regierung planen

Vielleicht könnt ihr damit euren Neid zügeln: Gesundheitsminister Spahn will im Mai anfangen, die Priorisierungsgruppe 3 zu impfen. Zum Beispiel Gymnasiallehrer:innen, Supermarktkassierer:innen, Wahlherlfer:innen und Leute beim Zoll und Polizei. Und im Juni soll die Impfreihenfolge dann bestenfalls ganz aufgehoben werden.

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1 Kommentar

  1. 1.

    Klar ist es nicht schön, wenn man auf die Impfeinladung wartet und mitbekommt, dass andere, auch enge Freunde, zuerst geimpft werden. Aber solange man nicht zu einer Risikogruppe gehört, sollte man es jedem anderen gönnen und froh sein, dass immer mehr Menschen den Impfschutz bekommen. Da haben wir alle etwas von....und irgendwann ist man auch dran.....bitte keinen Streit darüber.....zusammenhalten ist wichtig!