In den Händen einer Statue liegt ein 20 Euro-Schein (Foto: imago|blickwinkel)
Bild: imago|blickwinkel

- Wohnungssuche per Bestechung

Was darf der Vormieter verlangen?

Der Wohnungsmarkt in Berlin ist hart umkämpft. Besichtigungen mit mehreren Dutzend Leuten sind keine Seltenheit und oft könnt Ihr eigentlich schon abdrehen, wenn Ihr von weitem die Schlange um den Block seht. Kein Wunder also, dass Leute aus Verzweiflung bereit sind, zu grenzwertigen Mitteln zu greifen und auch Vermieter und Vormieter sich die Situation zunutze machen.

C.R.E.A.M.

"Du bekommst die Wohnung nur, wenn du bereit bist, mir 4500 Euro für mein altes Sofa und meinen Kühlschrank von 1990 zu bezahlen." So oder so ähnlich lesen sich manche Anzeigen, in denen Nachmieter für eine Wohnung gesucht werden. Längst ist es nicht mehr unüblich, dass Möbel mit Ablöseforderungen verbunden sind.

Das ergibt sich unter anderem daraus, dass immer mehr Mieter den Nachmieter selbstständig suchen. Die Maklerprovision wird mittlerweile nicht mehr vom neuen Mieter, sondern vom Vermieter getragen, der sie natürlich sparen will. So treten Privatperson A und B in Kontakt und versuchen Vorteile aus der Situation zu ziehen.

Recht und Unrecht

Tatsächlich sind Ablöseforderungen erlaubt. Allerdings gibt es laut Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund eine Grenze. Die Formel lautet: Zeitwert plus 50 Prozent. Das heißt, auf den faktischen Wert der Gegenstände darf noch einmal die Hälfte aufgeschlagen werden. Mehr ist ungesetzlich.

Abstandszahlungen hingegen sind widerrechtlich. Also eine reine Zahlung für den Auszug, ohne Gegenleistung ist nicht erlaubt. In der Drucksituation der Wohnungssuche diskutieren viele trotzdem nicht, sondern arrangieren sich mit hohen Forderungen. Und mehr noch: Sie versuchen durch Aufschläge in die nähere Auswahl zu kommen.

Die Bestechlichen

FritzReporterin Jule Jank hat den Selbsttest bei zwei potenziellen Wohnungen gemacht und sich inkognito unter die Bewerber gemischt. Im ersten Fall war sie mit 20 bis 30 Mitbewerbern in einer Wohnung in guter Lage, die von der Miete her ein echtes Schnäppchen war.

Der Haken: Die Vormieterin wollte 2000 Euro Ablöse für ein altes Sofa, ein paar Regale, einen Schuhschrank und einen Küchentisch. Um die Chancen zu verbessern, hat es Jule Jank mit Bestechung probiert. Sie hat ein paar hundert Euro auf die Ablöse draufgelegt und war um eine ausdrückliche und bevorzugte Empfehlung reicher.

Im zweiten Fall gab es keine Massenbesichtigung. Die Leute wurden nach und nach eingeladen. So konnte Jule Jank schneller mit der Mieterin alleine sein. 1500 Euro wollte sie für ein Sofa, einen alten Gasherd und einen Schrank. Nach einem weiteren erfolgreichen Bestechungsversuch löste Jule auf, dass sie Reporterin ist und es kam zum Gespräch.

Es stellte sich heraus, dass sie nicht die Einzige war, die Geld angeboten hatte. Manche taten das sogar gleich in der Vorstellungsmail. Selbst die doppelte Summe wurde der Vormieterin für die Möbelstücke geboten. Beide Fälle zeigen, dass Einflussnahme durch Geld nicht selten ist.

Was könnt Ihr tun?

Wenn Ihr Euch im umkämpften Wohnungsmarkt nicht auf diese Art von Geschäften einlassen wollt, könnt Ihr versuchen, direkt an den Vermieter heranzutreten. Außerdem könnt Ihr die Ablösezahlung bis zu drei Jahre später zurückverlangen, wenn sie überhöht war. Wichtig dabei ist, dass Ihr dokumentiert, welchen Preis Ihr für was gezahlt habt. Auch solltet Ihr die Ablöse nie bar bezahlen, sondern per Überweisung, damit Nachvollziehbarkeit gewährleistet ist.

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