Ein Gabenzaun mit Lebensmitteln in Berlin-Rixdorf (Foto: picture alliance)
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- Corona... und dann?

Die Coronavirus-Krise zeigt uns, was in unserer Gesellschaft bisher gar nicht mal so gut läuft und regt andererseits zum Lernen an. Ein Kommentar von Meret Reh.

Am Montag um 19 Uhr gab es in diversen Berliner Hinterhöfen Applaus. Für all diejenigen, die in Corona-Zeiten die Gesellschaft am Laufen halten - also Menschen in Krankenhäusern, im Supermarkt und Co. Zugegeben: Das Zeichen ist cool, aber das reicht natürlich nicht. Endlich erkennen wir, wie wichtig diese Berufe sind. Deshalb hilft da kein Klatschen, sondern nur höhere Löhne und bessere Arbeitszeiten.

Unsere Reporterin Meret Reh findet: Die Coronavirus-Krise zeigt uns in vielen Lebenslagen, was bisher schief läuft. Sie meint aber auch: Das ist eine Chance, daraus zu lernen, was wir besser machen können – und müssen.

Ein Kommentar von Meret Reh:

Das hier ist keine Gesundheitskrise – es ist eine Krise des Systems!

Zu wenig Betten, Schutzausrüstung, überlastetes Personal sind keine Überraschung, sondern die logische Konsequenz eines zu weiten Teilen privatisierten Gesundheitssystems, das sich nicht um Menschen sorgt, sondern um maximalen Gewinn. Das wirksamste Rezept lautet jetzt: Private Kliniken und Forschungseinrichtungen verstaatlichen, massenhaft kostenlose Coronavirus-Tests liefern und die industrielle Produktion auf zum Beispiel Beatmungsgeräte umstellen.

So eine Ausgangssperre hat ja auch was Gemütliches – zumindest wenn man in Kuscheldecke auf dem Sofa Gratis-Konzerte streamen und Skype-Partys feiern kann. Aber was ist mit den tausenden Obdachlosen allein in Berlin oder den Geflüchteten an der EU-Außengrenze? Unsere Solidarität darf nicht dort enden, wo #staythefuckhome bedeutet in löchrigen Zelten zu schlafen und nicht genug Wasser zum Trinken zu haben, geschweige denn zum Happy Birthday-singenden-Händewaschen. Warum nicht alle leer stehenden Hotelzimmer enteignen und Menschen in Notsituationen dort unterbringen?

Übrigens: Dass Faschisten, Rassisten und Rechtspopulisten gerade von der Bildfläche verschwinden, liegt nicht daran, dass ihre Twitter-Accounts vom Virus befallen sind oder man in Quarantäne keine Verschwörungstheorien ausbrüten kann. Sondern weil wir merken, dass sie nichts, aber auch wirklich nichts zur Problemlösung beitragen und deshalb zurecht keine Plattform bekommen. Keep that in mind!

Überwältigend, welche gesellschaftlichen Ressourcen plötzlich mobilisiert werden können und wie konsequent der Meinung von Expert*innen gefolgt wird. Wertvolle Erfahrungen sind das, auch für die Klimakrise, wo hoffentlich auch bald die "Bazooka" rausgeholt wird und Klimaforscher*innen einen Podcast bekommen.

Ideen, die jahrelang als utopisch und gesellschaftslähmend abgefrühstückt wurden, erstrahlen in ganz neuem Glanz: Ey, jetzt so ein bedingungsloses Grundeinkommen und tausende Künstler*innen und Selbstständige könnten aufatmen und müssten neben Fieber nicht auch noch den sozialen Abstieg in Post-Corona-Zeiten fürchten. Und ganz ehrlich: Kündigungsverbot und die Streichung von Mieten wäre in einem Ausnahmezustand auch angebracht.

Vielleicht klingt das alles ein bisschen utopisch und naiv – aber mal ehrlich, hättet Ihr vor ein paar Wochen gedacht, dass die Bundesliga mal ausgesetzt würde?

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Antwort auf [Milena] vom 27.03.2020 um 19:29
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2 Kommentare

  1. 2.

    Liebe Fritzen, liebe Meret Reh,

    Das sind interessante Gedanken. Gibt es die Möglichkeit, mehr dazu zu lesen?

    Milena aus Cottbus

  2. 1.

    feel it 100%