Volle Tanzfläche in einem Club (Foto: dpa)
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- Clubsterben in Berlin

Viele Berliner Clubs mussten schließen. Jetzt macht die Griessmühle zu - mit Hoffnung auf einen Neustart.

Der Fall "Griessmühle" ist quasi der Klassiker in Sachen Clubsterben: Der Mietvertrag für das Gelände in Neukölln läuft zum Ende des Monats aus und sollte zunächst nicht verlängert werden, weil dort "Wohn-, Büro-, und Gewerbeflächen" geplant sind.

Am Mittwoch gab die Clubcommission Berlin, der Interessenvertretung vieler Clubs in der Stadt, in einer Mitteilung bekannt, dass ab Februar ein alternativer Standort für den Club gefunden wurde. Laut Berichten des Tagesspiegel soll er sich in Mitte oder Lichtenberg befinden und als Zwischennutzung für mehrere Monate bespielt werden. Außerdem soll auch am jetzigen Standort der "Griessmühle" wieder ein Club entstehen. Der Eigentümer hat bekanntgegeben, dass nach dem Umbau des Geländes auch wieder entsprechende Räume geplant sind.

Die "Griessmühle" war acht Jahre lang mehr als nur ein Club: Tagelang feiern ging in der Mühle genauso wie seine Nachbarn aus dem Kiez treffen - zum Tischtennis, an Kinoabenden oder zum Flohmarkt. Bis zum 3. Februar kann nun noch auf dem alten Gelände gefeiert werden.

Die Clublandschaft wird ärmer

Auch dem "Sage Club" und dem "Kitkat" könnte das Aus bevorstehen. Vielleicht ein kleiner Hoffnungsschimmer: Dort soll der Mietvertrag jetzt neu verhandelt werden. Gefährdet sind auch das "://about blank" und die "Wilde Renate". Dort, wo diese Clubs sind, soll ab 2022 das letzte Stück der Stadtautobahn A100 gebaut werden.

Die "Else" in Treptow wird auf jeden Fall bald mindestens acht Jahre zumachen, weil die Elsenbrücke saniert wird. Eigentlich bereits geschlossen ist die Rummels Bucht, dort wurde Silvester die offiziell letzte Party gefeiert. An dieser Stelle sollen Wohnungen, Gewerbeflächen und ein Aquarium entstehen. Und die Liste der gefährdeten Clubs ließe sich noch lange fortsetzen.

Politik verspricht Clubs zu schützen

Das Thema Clubsterben ist auch in der Politik angekommen. Es gibt verschiedene Initiativen: Die Linke möchte mit einem Antrag im Bundestag Clubs als Kultureinrichtung anerkennen lassen, sie wären dann auf einer Stufe mit zum Beispiel Theatern und könnten weniger leicht verdrängt werden.

Berlins Kultursenator Klaus Lederer verspricht auch, Clubs zu schützen und sagte im Tagesspiegel Checkpoint, dass Kulturpolitik Gegenmaßnahmen ergreifen sollte. Einer Studie zufolge kommen übrigens drei Millionen Touristen im Jahr alleine wegen der Clubszene in die Stadt, die hier feiern, essen und schlafen - und damit auch ordentlich Kohle dalassen.

#savegriessmuehle: Kundgebung und Petition

Am Mittwoch fand vor dem Rathaus Neukölln eine Kundgebung mit mehreren Hundert Teilnehmern statt. Es sollte zum einen darum gehen, die "Griessmühle" zu retten, zum anderen soll die Stadt aufgefordert sein, in Zukunft mehr zu tun, um Clubs zu schützen. Außerdem läuft eine Petition für den Erhalt der "Griessmühle" auf change.org mit aktuell über 45.000 Unterschriften.  

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