Eine Frau streift alleine im Dunkeln durch eine Gegend, die wie das RAW-Gelände in Berlin aussieht. (Quelle: imago images/photothek)
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- Angst im Dunkeln

Wenn es nach 16 Uhr draußen dunkel ist, haben viele Frauen ein mulmiges Gefühl im Bauch, wenn sie alleine unterwegs sind. FritzReporterin Leonie Schwarzer macht das nachdenklich.

Bald ist Weihnachten – und damit naht sich auch wieder der kürzeste Tag des Jahres. Aktuell geht schon um 16 Uhr die Sonne unter. Neben Vitamin D-Mangel bedeutet das für viele Frauen auch, dass sie sich unwohler fühlen. Im Dunkeln im Park joggen? Nachts an der Tanke noch Chips kaufen? Für die meisten Frauen unvorstellbar. Fritz-Reporterin Leonie Schwarzer macht das wütend.

Ein Kommentar von Leonie Schwarzer:

Ich habe letztens den Tweet "Was würdest Du tun, wenn alle Männer ab 21 Uhr eine Ausgangssperre hätten" gesehen. Und mir ist so vieles dazu eingefallen: Ich würde im Park  joggen oder spazieren gehen und dabei laute Musik hören. Oder ich würde mit der Ringbahn ganz entspannt nach Hause fahren. Das meiste davon mache ich nämlich nicht nach 21 Uhr. Und vor allem nicht ohne Angst, ohne ein mulmiges Gefühl im Bauch.

Den meisten meiner Freundinnen geht es genauso. Wenn es dunkel ist, wird das Leben kompliziert: Wir rennen von der Bushaltestelle nach Hause. Wir klammern uns an das Pfefferspray in der Handtasche. Oder wir nehmen uns ein teures Taxi. Nicht, weil wir besonders ängstlich sind. Die meisten von uns haben schon mal irgendeine blöde Situation, eine unangenehme Anmache erlebt.

Ich weiß, liebe Männer, die meisten von Euch würden niemals irgendetwas in der Richtung machen. Und ich weiß, dass auch Männer Opfer sein können. Trotzdem: Laut Polizeistatistik waren im Jahr 2018 mehr als 96% aller Tatverdächtigen von Sexualdelikten in Berlin männlich. Ihr tragt als Männer deshalb auch Verantwortung. Verantwortung dafür, uns den Nachhauseweg zu erleichtern.

Ich weiß manchmal nicht, dass der Mann hinter mir im Haus nebenan wohnt und mich nicht verfolgt. Ich weiß nicht, dass Du mir im Zweifelsfall zur Seite stehen würdest. Also bitte sei umsichtig, vor allem nachts. Wechsle die Straßenseite, wenn Du merkst, dass ich mich verfolgt fühle oder geh ein bisschen langsamer. Achte darauf, dass Du und Deine Kumpels in der U-Bahn mich durch laute Pöbelei nicht einschüchtert. Zeig, dass Ihr – die Guten – in der Mehrheit seid.

Klar ist: das ist nur der erste Schritt. Es gehört noch so viel mehr dazu, das unwohle Gefühl zu verdrängen: Helle Straßen oder Menschen, die sich einmischen statt wegzuschauen. Dann ist die Antwort auf: "Was würdest Du tun, wenn alle Männer ab 21 Uhr eine Ausgangssperre hätten", vielleicht irgendwann: Ich würde sie vermissen.

Ihr fühlt Euch auch manchmal unwohl, wenn Ihr nachts nach Hause lauft? Dann ruft die 030-12074182. Beim "Heimwegtelefon" telefoniert Ihr mit einem Ehrenamtlichen, der Euch nach Hause begleitet und der im Ernstfall auch etwas bei der Polizei melden könnte.

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