Emmanuel Danan sitzt auf seiner Couch und lächelt in die Kamera. (Quelle: Fritz)
Bild: Fritz

- Pille gegen HIV?

"Es gibt keinen Grund mehr, sich mit HIV anzustecken", sagt Emmanuel Danan. Er nutzt seit vier Jahren PrEP - eine Pille, die die Übertragung von HIV verhindern kann. 

Seit 2015 infizieren sich jährlich immer weniger Leute in Deutschland mit HIV. Ein Grund dafür ist PrEP ein Medikament in Tablettenform für HIV-negative Menschen. Es verhindert die Übertragung von HIV zu einer hohen Wahrscheinlichkeit. Seit dem 1.9.2019 zahlt die Krankenkasse - Emmanuel Danan nimmt PrEP schon seit 2015. Im Interview erklärt er, welche Hoffnungen er hat und was sich in unserer Gesellschaft noch ändern muss.

Hast du denn das Gefühl, dass immer mehr Leute die PrEP nehmen?

Seit der Kassenzulassung merke ich eine große Welle. Das Interesse ist gestiegen, alle reden drüber und es ist irgendwie normal geworden. Vor zwei bis drei Jahren habe ich beim Online-Dating ziemlich oft Beschimpfungen so nach dem Motto "Du nimmst Prep, du bist eine Schlampe" gehört. Heutzutage verstehen die Leute, dass es um Selbstschutz geht und ich mehr Verantwortung für meine Gesundheit übernehme, wenn ich PrEP nehme.

Was sind denn für dich allgemein die Vorteile von PrEP? Warum reicht das Kondom nicht?

Die sind genau an den Punkten, wo es für das Kondom problematisch ist. Das Kondom muss man immer im Eifer des Gefechts benutzen. Vielleicht bin ich aber betrunken, ein bisschen high, aufgeregt - oder vielleicht habe ich keins dabei. Es ist sehr gut, dass man Kondome benutzen will, aber es passiert oft, dass man die am Ende doch weglässt. Das schöne an der Prep ist, ich schlucke meine Pille beim Frühstück und dann ist es egal, was bei Nacht passiert - ich bin geschützt. Das ist der größte Vorteil. Der zweite Vorteil ist: Es ist für mich seit Beginn der HIV-Epidemie eigentlich die erste Möglichkeit, selber die Kontrolle über meine Gesundheit zu übernehmen. Ich muss mit niemandem sprechen und verhandeln, ob ich ein Gummi benutze, sondern ich nehme meine Pille und es ist egal, was der andere tut. Das ist sehr empowering.

Hast du auch mit deiner Familie über das Medikament geredet?

Ja, ich habe mit meiner Familie sehr offen darüber geredet, was ich auch schön fand. Bisher war das Thema Sexualität und HIV sehr mit Angst verbunden. Das Erste, was meine Mutter beim Coming-Out unter Tränen gesagt hat, war: "Ich will nicht, dass du an Aids stirbst!" Das war schon hart. Und jetzt plötzlich konnte ich zu ihr kommen und sagen: "Mutti, ich hab was - ich bin geschützt!"

Siehst du denn trotzdem Gefahren darin, dass es PrEP gibt?

Nein, ich sehe es als die einzige Chance, die wir haben die HIV-Epidemie irgendwie zu beenden. Kondome haben schon viel geholfen, aber es gab immer eine Lücke, in der Kondome nicht helfen konnten. Das sind genau diese Leute, die aus welchen Gründen auch immer keine Kondome benutzen wollten oder konnten. Auch die Leute, die dachten, dass sie gerade nicht in Gefahr sind, obwohl sie es waren. Und jetzt kommt PrEP in diese Lücke, die uns die Chance gibt, die Neuinfektionen zu verhindern. Gefahren sehe ich nicht.

Auch nicht, dass sich andere Erkrankungen - zum Beispiel Tripper - dadurch mehr verbreiten könnten?

Die ganzen anderen Infektionen Chlamydien, Tripper, Syphilis, Herpes, HPV sind Schmierinfektionen. Eigentlich helfen da Kondome nicht viel, es reicht ein Finger, ein bisschen Flüssigkeit und schon ist es übertragen. Die Mehrheit aller Infektionen ist symptomlos, das heißt, Leute können monatelang eine Infektion verbreiten - ohne es zu wissen. Mit der PrEP passiert folgendes: Jeder, der PrEP nimmt, geht alle drei Monate zum Arzt und macht eine Menge Tests und Abstriche. Dadurch können Erkrankungen viel früher erkannt und Infektionsketten unterbrochen werden. Deswegen bin ich der Meinung, dass wir über längere Zeit eher eine Eindämmung von diesen Infektionen sehen werden und nicht umgekehrt.
 

Siehst du noch eine starke Stigmatisierung, was HIV angeht?

Als HIV-Negativer erlebe ich wenig Stigma. Aber es ist heutzutage immer noch schwierig für HIV-Positive, zum Beispiel im Dating-Leben oder auf Arbeit. Das Leben mit HIV ist eigentlich nicht so kompliziert, was die Infektion angeht, unter Therapie ist man nicht ansteckend, man lebt genauso lang wie Menschen ohne HIV. Das Problem ist eher sozial.

Was wünscht du dir von der Gesellschaft zum Thema HIV?

Ich hoffe, dass es bald normal wird, dass Leute, die viel Sex oder mehrere Partner haben, sich regelmäßig testen lassen. Also, dass der Zugang zum Test einfacher wird und dass die Leute die Tests einfach machen. Und: Redet darüber, um Gottes Willen einfach reden. Mehr Leute müssen wissen, dass HIV unter Therapie nicht ansteckend ist und dass es eine Pille gibt, die vor HIV schützt. Also weniger Komplexe und mehr Kommunikation.

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1 Kommentar

  1. 1.

    Kennt jemand schon die Langzeit-Nebenwirkungen? Außerdem nicht vergessen, gegen alle restlichen Geschlechtskrankheiten hilft PreP nicht!