Demonstrierende vor der Siegessäule in Berlin. Auf einem großen Banner steht "Blockieren statt Krepieren". (Quelle: imago images/A. Friedrichs)
Bild: imago images/A. Friedrichs

- Ziviler Ungehorsam als Protest

Die Proteste der Bewegung Extinction Rebellion sind von Großbritannien nach Deutschland geschwappt. Eine Woche lang geht es hier nun rund.

Parolen werden mit roter Farbe auf Gebäude gesprüht, Straßen durch Sitzblockaden lahmgelegt, Menschen lassen sich verhaften. Demonstranten tragen gelb-grüne Transparente, auf denen ein Logo abgebildet ist. Es ist eine Sanduhr, die zeigen soll, dass uns die Zeit davonläuft - die Zeit, um unsere Umwelt zu retten.

Knotenpunkte in London besetzen

Ihren Ursprung hat die Bewegung Extinction Rebellion, kurz XR, in London. "Wir gehen dahin, wo es stört, wo es auffällt. Wir wollen den Alltag unterbrechen. Wir wollen auch finanziell stören. Als wir zum Beispiel in London wichtige strategische Punkte besetzt haben, hat das die Wirtschaft sehr viel Geld gekostet. Auf diese Art wollen wir auch die Regierung unter Druck setzen. Wir wollen sagen, wenn wir so weitermachen wie bisher, fahren wir gegen die Wand", sagt Kristin Mudra. Sie ist seit April dieses Jahres ein Teil der Bewegung Extinction Rebellion in Berlin. Genau dort hat sie auch das erste Mal davon gehört - als Mitglieder die Oberbaumbrücke besetzt haben. "Mein Gefühl war immer, dass das alles zu wenig ist und diese Demonstrationen und Petitionen nicht so viel bringen. Ich dachte: Okay, krass, Brücke besetzen. Klingt nach: Jemand tut was!".

Drei zentrale Forderungen

Rebellion gegen das Aussterben, so übersetzt sich der Name der Bewegung. Auf ihrer Website beschreiben sie, dass sie gewaltfreien zivilen Widerstand leisten und damit die Regierung dazu bewegen wollen, ihre Forderungen umzusetzen. Es sind drei zentrale Punkte, auf die sie sich festgelegt haben:

1. Die Wahrheit über das Ausmaß der Katastrophe muss gesagt werden. 2. Es muss jetzt gehandelt werden. Unter anderem soll der Klimanotstand ausgerufen werden. 3. Bürgerinnen und Bürger sollen sich versammeln und Politik neu gelebt werden.

Kristin betont immer wieder, dass ihre Bewegung dabei friedlich bleibe: "Es werden keine Steine geschmissen. Wir kooperieren mit der Polizei. Und unsere Blockaden sind familienfreundlich."

Zu sehen ist das Klimacamp vorm Bundestag: viele bunte Zelte belagern die grüne Fläche. (Quelle: imago images/A. Friedrichs
Bild: imago images/A. Friedrichs

Rebellion Wave startet in Berlin

Am Montag, den 7. Oktober, ist die "Rebellion Wave" gestartet, eine weltweite Aktion, die so lange weitergeführt werden soll wie möglich. Unter dem Hashtag #berlinblockieren findet das Vorhaben in Berlin statt. Am frühen Montagmorgen legten Aktivisten den Verkehr am Großen Stern im Tiergarten lahm.Die Blockade wurde einen Tag später geräumt. Eine weitere Aktion fand am Dienstag in der Bundesparteizentrale der CDU statt.

Bis zum 13. Oktober gibt es auf der Wiese vor dem Kanzleramt ein Protestcamp. Weitere Blockaden und Aktionen sind geplant, aber Genaues hat Kristin nicht verraten: "Niemand von uns weiß alles. Wir sind dezentral organisiert. Es kommen Leute aus ganz Deutschland und auch international. Viele von denen haben eigene Aktionen geplant, die wir auch nicht alle kennen. Ich bin auch sehr gespannt."

Sitzblockade auf der dunklen Straße des 17. Junis, begleitet von einem Polizei Auto. (Quelle: Extinction Rebellion)
Bild: Extinction Rebellion

Kritik an der Bewegung

Dass mit einigen Aktionen Gesetze gebrochen werden, ist gewollt und auch einer der Gründe, warum Extinction Rebellion umstritten ist. "Haftstrafen werden akzeptiert, um die eigene Opferbereitschaft und die Verpflichtung zur Gewaltlosigkeit als handlungsleitendes Prinzip zu unterstreichen. Darüber hinaus sollen sie den Staat auch vor kapazitäre Herausforderungen stellen", weiß Politikwissenschaftler Prof. Dr. Christian Volk. Kritiker sagen, dass die radikalen Aktionen der Bewegung auch dazu führen könnten, dass sich Menschen eher vom Klimaschutz abwenden.

Auch Berliner Rechtswissenschaftler Christian Pestalozza hat im Interview mit rbb24 die Methoden der Gruppe Extinction Rebellion in Frage gestellt. Mit den Verkehrs-Blockaden würden die Falschen getroffen - nämlich die Bürger, die beispielsweise einfach zur Arbeit kommen wollen. "Die Demonstranten sollten vor den Reichstag ziehen, das ist mindestens genauso wirksam oder auch unwirksam wie eine sogenannte Spontandemonstration, die ja in Wahrheit keine ist, weil sie vorausgeplant ist. Auf Spontaneität kann man sich da nicht berufen", so Pestalozza.

Ihr wollt noch noch mehr über XR wissen?

Wie nachhaltig diese Art von Protest ist, wird sich noch zeigen. Kristin ist sich jedoch sicher, dass es keinen anderen Weg gibt: "Wir haben alles andere ausprobiert. Es wurden Petitionen geschrieben. Es wurde mit Politikern geredet, Demonstrationen finden täglich statt. Fridays For Future protestiert seit einem Jahr und es ändert sich nichts. Ich sehe wirklich die einzige Möglichkeit im Aufbegehren gegen das System."

Mehr Infos findet ihr auf der Website von Extinction Rebellion. Und einen Liveticker zu ihren aktuellen Aktionen in Berlin gibt's in den Stories auf ihrem instagram-Kanal.

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3 Kommentare

  1. 3.

    Ich habe am Mittwoch sage und schreibe 3 h und 15 Min. nach Hause gebraucht. Sonst benötige ich 1 h.
    Das Pflegedienste vor allem an diesem Tag gar nicht oder erst sehr spät zu ihren Patienten kommen konnten, begreifen diese Menschen mit ihren Blockaden nicht. Ich hoffe das alle gesundheitlich ohne Probleme geblieben sind.
    Auch Rettungskräfte hatten immense Probleme zu ihren Einsatzorten zu kommen, da die Straßen vollkommen zu waren.

  2. 2.

    Gebe dir vollkommen recht! Die Medien schreiben diese Bewegung hoch wie sie auch schon die AfD hochgeschrieben haben. Wenn man auf allen Kanälen permanent darüber berichtet, schafft man Popularität.

  3. 1.

    Hofberichterstattung für Extinction Rebellion. Aus einer kleinen Gruppe wird ein Mordsthema gemacht, die Macht der Medien ausgenutzt. Unreflektiert und unkritisch - ziviler Ungehorsam wird als normal betrachtet, Pfui