Symbolbild für Freunde in Krisen. Ein schwarzer Hund mit lockigem Fell und ein brauner Dackel stehen sich gegenüber. Sie kuscheln fast miteinander. Der Dackel hat einen Stock im Maul. Ringsrum ist Wiese. (Quelle: dpa/Schmidt-Roeger)
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- 6 Tipps: So helft Ihr in Krisenzeiten

Schicksalsschläge, Depressionen, Suchterkrankungen – Sie passieren. Wir sagen Euch, wie Ihr Euren Lieblingsmenschen in schwierigen Zeiten wirklich beistehen könnt.

Freundschaft ist easy, wenn alles tutti ist. Wenn bei beiden die Laune stimmt, die Gesundheit, die Arbeit, die Liebe. Was aber, wenn der beste Buddy plötzlich ständig säuft? Oder die beste Freundin alle Treffen absagt, weil sie nicht mehr aus dem Bett kommt? Freunde auf ihre Krisen anzusprechen, fällt uns oft schwer. Wir haben Angst, nicht die richtigen Worte zu finden oder unser Gegenüber zu verärgern.

1. Keine Du-Botschaften

Den häufigsten Fehler, den wir machen, ist Du-Botschaften zu verwenden, erklärt die Berliner Psychotherapeutin Nicole Engel. Du-Botschaften sind so was wie "Du trinkst zu viel" oder "Du bist ständig so niedergeschlagen". Sie sind vorwurfsvoll und wertend und führen dazu, dass sich der andere angegriffen fühlt und einigelt: "Viel besser ist es, neutral zu beschreiben mit Beispielen, was man beobachtet. Und das damit zu verbinden, was es in einem auslöst. Also so was wie 'Wenn wir uns treffen, nehme ich wahr, dass du nicht so aktiv bist und sehr in dich gekehrt: Das macht mich traurig.'" Das wecke im Gegenüber einen anderen Impuls, als Angriffe mit Du-Botschaften.

2. Ratschläge sind auch Schläge

Wichtig sei auch, sich nicht als Retter aufzuspielen: "Es passiert häufig, dass wir Personen, die ein Problem haben, in so ein Kind-Schema drücken und wir selbst ins Eltern-Ich abrutschen." Was folgt sind Ratschläge, aber "in der Psychologie sind Ratschläge eben auch Schläge." Heißt also: Sich nicht anmaßen zu wissen, was der andere jetzt braucht. Wie auch? "Jeder ist Experte für sein eigenes Leben", sagt Engel.

3. Mitgefühl statt Mitleid

Stattdessen: Mitgefühl - kein Mitleid, Mitgefühl! Ein kleiner, aber entscheidender Unterschied. Mitleid bedeutet nicht selten, aus der eigenen, guten Position heraus auf den Freund in der Krise herabzublicken. Das verstärkt das Leid und schmälert es nicht. Mitgefühl hingegen ist aufrichtige Anteilnahme und die nötige Distanz, die es braucht, um helfen zu können. "Man kann zum Beispiel sagen: 'Hier ist meine Hand, ich bin da, wenn du mich brauchst und du es willst'", rät die Psychotherapeutin.

4. Last Resort: Strategiewechsel

Wenn sich der andere nicht helfen lassen will, empfiehlt Engel einen Strategiewechsel. Statt ständige Gespräche könne auch helfen, dem Freund jeden Tag über WhatsApp ein Bild zu schicken, aus einer guten Zeit. Was ebenfalls helfen kann, ist gemeinsam nach der Ursache für das Verhalten zu suchen. Eine Sucht sei zum Beispiel oft eine Bewältigungsstrategie für ein ganz anderes Problem.

5. Wann aufgeben okay ist

Man kann niemanden zwingen, Hilfe anzunehmen. Die Einsicht muss von alleine kommen, sagt Engel: "Wir können den anderen nicht ändern, sondern nur uns selbst." Es sei also völlig legitim, die eigenen Hilfsangebote irgendwann einzustellen. Vor allem: "Wenn es einem selber nicht gut geht, hat man auch keine Energien und Ressourcen seinem Freund gut zu helfen." Dann ist erstmal etwas Rückzug und um sich selbst kümmern ratsam.

6. Kein Grund für Schuldgefühle

Sich von einem Freund in Not abzuwenden, kann natürlich Schuldgefühle hervorrufen. Die dürfe man aber keinesfalls zulassen, sagt Engel: "Wenn ich nicht diejenige war, die meinem alkoholabhängigen Freund dreimal täglich Alkohol verabreicht hat, muss ich mich auch nicht schuldig fühlen." Nur der Betroffene selbst könne sich da rausholen. "Die Schuld muss man nicht tragen."

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