Fans von Casper im Waschhaus Potsdam (Quelle: Fritz/Stefan Wieland)
Bild: Fritz/Stefan Wieland

- Einfach mal die Fresse halten!

In der ersten reihe das One-Night-Stand von gestern Nacht bequatschen? Oder die Einkaufsliste? Schnauze! Ein Plädoyer gegen Gelaber auf Konzerten von Jule Kaden.

Endlich Herbst! Die Festivalsaison ist vorbei, dafür gibt's jetzt Konzerte ohne Ende. Das hat nur einen Haken: Die Laberer und Schnatterer. FritzReporterin Jule Kaden geht jede Woche mindestens auf ein Konzert und bei Ihr pulsiert jetzt schon die Halsschlagader.

Ein Kommentar von Jule Kaden

Ey, ja! Dich mein ich. Dich, neben mir in der fünften Reihe. Warum ich dich so angucke? So mit den Augen fixierend, Kopf schiefgelegt und einem "What The Fuck, Dein Ernst?"-Gesichtsausdruck? Das ist im Übrigen meine Eskalationsstufe Nummer eins. Weil du laberst!

Auf einem Konzert. Da steht wer auf der Bühne, frickelt sich auf seine Musik, sein Innerstes, einen ab, versucht mehr als nur seinen Job gut zu machen, lebt das Ganze - und du musst dich neben mir lautstark über den One-Night-Stand von gestern Nacht unterhalten. Interessiert mich nicht. Auch nicht - neulich bei Tash Sultana so passiert - ob dein Selfie aus der Crowd mit Taaaaaash im Hintergrund für deine Instagram-Gang gut genug ist. Willst du nicht noch deine Einkaufsliste besprechen? Was ist los mit dir? Wo ist dein Respekt? Für den Künstler und seine Arbeit? Für die Leute, die neben dir stehen und vor lauter Gekreische an den ruhigen Stellen den Künstler nicht verstehen?

Ja, so war's neulich bei Tash. Wenn die Todesblicke nicht reichen, ist es Zeit für Eskalationsstufe zwei. Ich spreche dich nett-freundlich, fast schon entschuldigend an und frage, ob du vielleicht, möglicherweise, dein Gespräch nicht später weiterführen möchtest. DENN ICH HÖRE NICHTS - außer dich. Dann guckst du mich an und sagst, ich solle doch mal chillen. Ähm, nein! Im Kino machst du das doch auch nicht. Wenn der Film scheiße ist, dann geh doch. Wenn die Band doch nicht instagramable ist und das Konzert kein Happening deines Kalibers, dann geh doch. Und lass alle genießen, die Bock haben und für ihr Geld was hören wollen. Eintauchen. Eins werden mit dem Künstler. Ohne dein Gelaber.

Ich verstehe schon, schnelllebige Zeit, viel zu tun, und wann sollst du mit deiner BFF auch sonst labern. Vielleicht zwischen Vorband und Hauptact. Oder davor, oder danach. Aber nicht währenddessen. Denn dann zwingst auch du mich, mit dir zu labern, um dir zu sagen, dass es cool wäre, wenn du nicht laberst. Und dann bin ich wie du. Und das will ich auf keinen Fall.

Aber vielleicht lässt sich ja der konzertante Schweigefuchs einführen. Mittel- und Ringfinger auf den Daumen, Zeige und kleiner Finger gespitzt. Nett Grinsen, Fresse halten, hingehört. Danke! Dann brauchen wir auch Eskalationsstufe drei nicht: Bier über den Kopf.

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Antwort auf [Fritz] vom 24.09.2018 um 17:07
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1 Kommentar

  1. 1.

    Chill mal! ;)