Ein Mädchen bedeckt die Hälfte ihres Gesichts mit einem Telefon. (Quelle: picturealliance)
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- Handys runter!

Jetzt im Sommer werden wieder öfter Aufnahmen von Fremden gemacht, an denen vermeintlich irgendetwas komisch ist. Ein Kommentar gegen Public Shaming.

Jeder kennt diese Momente: Man ist auf einer Party, macht tausend Selfies mit dem BFF und wählt danach zusammen das beste Pic für Insta aus. Es folgen hitzige Diskussionen. Auf dem einen gefällt der Freund sich nicht, auf dem anderen guckt man selbst irgendwie komisch. Was man von sich selbst in sozialen Netzwerken postet wird lang überlegt. Ob andere scheiße aussehen, ist einem oft egal. Und dann gibt es noch die Leute, die gerne Fotos von Fremden hochladen, um sie öffentlich zu shamen. Fritzin Helene Nikita Schreiner findet das ziemlich unmöglich.

Ein Kommentar von Helene Nikita Schreiner

Gerade im Sommer fällt es mir immer wieder auf: Ich beobachte in der S- oder U-Bahn Leute, die alles geben um gaaanz unauffällig mit ihrem Handy ein Foto zu machen.

Von Menschen die schwitzen, von Menschen, die, bei den heißen Temperaturen, völlig zu Recht, wenig Kleidung tragen, von Menschen, die dick sind – kurzum: Menschen, deren Äußerlichkeit ihnen irgendwie nicht in den Kram passt.

Ich stelle mir dann die Fotoalben auf ihren Handys vor: Sammlungen von fremden Poritzen, behaarten, weiblichen Beinen, von Speck an anderen Körpern, von komischen Frisuren, von sonstwas.

Diese Fotoalben sind Kammern des Schreckens. Allerdings nicht wegen dem, was die Fotos zeigen, sondern wegen dem, was sie über die Menschen verraten, die die Fotos gemacht haben.

Damit möchte ich mich nicht davon freisprechen, dass mir Besonderheiten an anderen Menschen nicht auch auffallen. Es ist das Kommentieren, das Bewerten, das Teilen mit Anderen, das Lästern, das solche Fotos und ihre Fotografen und Fotografinnen so uncool macht.

Egal ob als unüberlegter Scherz á la „Haha, guck mal, wie der aussieht“ oder als bewusstes Über-Andere-Herziehen, diese Fotos verletzten Leute und blamieren sie öffentlich.

Fotos von Fremden zu machen, um dann in InstaStories, WhatsApp-Chats oder sonstwo darüber zu lästern, ist einfach scheiße. Punkt.

Ich würde mir ziemlich schäbig vorkommen, wenn ich mitbekommen würde, dass jemand ein unschönes Foto von mir macht und verbreitet. Noch schäbiger würde ich mich aber fühlen, wenn ich es nötig hätte, so ein Foto zu machen, damit ich mich über fremde Leute erheben kann.

 

Gut zu wissen:

Es ist strafbar ungefragt Fotos von Menschen zu machen und diese ins Internet zu stellen. Davor schützt das allgemeine Persönlichkeitsrecht. Darin ist auch das Recht am eigenen Bild beinhaltet und das sagt, dass jeder Mensch selbst darüber entscheiden darf, ob und in welchem Zusammenhang Bilder von ihm veröffentlich werden.

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2 Kommentare

  1. 2.

    Und damit machst Du ein Foto von einer fremden Person ohne deren Einverständnis. Und was Du damit machst, ist nicht klar. Selbst wenn Deine Absicht keine böse ist. LG

  2. 1.

    es ist zu platt in jedem foto ein schreckensbild oder entgeleisten weltanschauung des fotografen zu sehen!
    das ist leider exakt diese art andere ansichten zu verteufeln, wie man sie hier entdeckt haben will.
    ich habe letztens auch ein foto einer absurden frisur gemacht und freue mich regelmässig daran!
    nicht aus häme, neid oder missgunst. einfach aus freude an skurilem, andersartigem und buntem leben! bitte weniger schubladendenken bei kritik an schubladendenken!