Clemens Tönnies an einem Rednerpult (Foto: imago images / RHR-Foto) | Bild: imago images / RHR-Foto

- Wenn das kein Rassismus ist, was dann?

Die Bundesliga hat schon vor dem Start der neuen Saison ihren ersten Skandal - ausgelöst durch Äußerungen des Aufsichtsratschefs von Schalke 04, Clemens Tönnies.

Clemens Tönnies, der Aufsichtsratsvorsitzende von Schalke, sorgte vor ein paar Tagen mit seltsamen Aussagen für Aufsehen. Sinngemäß sagte er, man solle gegen den Klimawandel Kraftwerke in Afrika bauen. Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen und Kinder zu produzieren, sobald es dunkel wird. Mittlerweile hat sich Tönnies für diese Aussage entschuldigt und ein Ehrenrat hat darüber beraten, wie Tönnies' Zukunft im Verein aussehen wird. Zu dem, was dabei rausgekommen ist, und wie das Netz jetzt diskutiert, hat FritzRedakteur Jakob Lux eine Meinung.

Ein Kommentar von Jakob Lux

Clemens Tönnies' Entschuldigung kam schnell, aber halbherzig. Sie richtete sich nicht etwa an die Menschen in Afrika, sondern vorrangig an die Schalker Fans. Nun hat der Schalker Ehrenrat getagt, um nach ein paar Stunden zu dem Ergebnis zu kommen, dass diese Aussage zwar gegen das Diskriminierungsverbot des Vereins verstoße, der Rassismusvorwurf aber unbegründet sei. Tönnies wird nun eine dreimonatige Pause einlegen und dann als Aufsichtsratschef zurückkehren.

Seitdem explodiert das Netz. Die allermeisten User - darunter auch viele Schalker Fans - sind wütend wegen dieser harmlosen Entscheidung und fordern härtere Konsequenzen. Aber es mischen sich auch einige Stimmen unter die Kommentare, die hinterfragen, was daran Rassismus sei, wenn man nun mal die Wahrheit sagt. Schließlich haben tatsächlich viele afrikanische Länder eine hohe Geburtenrate. Das stimmt. Die Gründe dafür sind allerdings komplett andere als uns Tönnies hier weismachen will.

In vielen ärmeren Ländern sichern große Familien schlichtweg das wirtschaftliche Überleben. Oft gehen bereits junge Kinder arbeiten und unterstützen so ihre Geschwister und die älteren Generationen. Übrigens, das war in Deutschland vor den Zeiten des Wirtschaftswunders auch nicht anders.

Dazu kommen historisch-kulturelle Gründe. Es mag uns in Deutschland mit einer Geburtenrate von nicht einmal 1,5 Kindern pro Frau fremd erscheinen. Aber viele Nachfahren und ein großer Familienverbund gelten in den meisten Ländern als ein Segen und als etwas, worauf man stolz sein kann.

Außerdem spielen Glaube und fehlende Aufklärung eine wichtige Rolle. In vielen afrikanischen Staaten sind die Menschen sehr gottesfürchtig. Ihre Religion verbietet es ihnen, zu verhüten und erst Recht, abzutreiben. Viele Frauen bekommen ungewollt Kinder.

Das sind nur ein paar Gründe dafür, dass Menschen in anderen Ländern mehr Kinder haben als wir in Deutschland. Und nein, es ist nicht per se rassistisch, darüber zu sprechen. Wenn man aber einen ganzen Kontinent mit mehr als einer Milliarde Menschen mit einer Horde triebgesteuerter Wesen gleichsetzt, die einfach nicht anders können als zu bumsen, sobald das Licht ausgeht: Also, wenn das kein Rassismus ist, was denn dann?

Ich kenne viele Schalker Fans persönlich und ich weiß, dass diese Denkweise einzelner in keinster Weise mit dem Leitbild des Vereins übereinstimmt. Der Ruhrpott-Club hat seit jeher Fans und Spieler aus allen Ländern und Kulturen. Rassismus - und sei es nur im Spaß oder als polemisches Stilmittel - hat bei den Gelsenkirchenern keinen Platz. Bei den bevorstehenden Protesten wünsche ich den Schalker Fans viel Erfolg.

Ach, und übrigens, ratet mal, wie viele Geschwister der Verfasser dieser kruden Stammtisch-These hat. Clemens Tönnies wuchs als eines von 6 Kindern auf. Und das mitten in Deutschland. Na sowas.

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4 Kommentare

  1. 2.

    Daumen hoch! Sehr guter Kommentar! Wir Schalker werden nicht aufhören zu kämpfen, bis Tönnies geht!

  2. 1.

    Fritz sollte mal ganz ruhig sein, spielt ja selbst rassistische Rapper im Programm