Mehrere Spieler zweier Fußballmannschaften kämpfen um den Ball. (Quelle: Imago / Eibner 39719230)
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- Die Formel 1 ist spannender als die Bundesliga

Die schönste Nebensache der Welt zeigt Abnutzungserscheinungen und so manch langjähriger Fan verspührt keine Euphorie mehr - ein FritzKommentar.

Die neue Bundesliga startet in die neue Saison und in der Spitze ist es so eng wie lang nicht mehr. Außerdem freut gefühlt ganz Berlin sich schon auf mindestens zwei Derbys zwischen den beiden erstklassigen Hauptstadtvereinen Hertha und Union. Nur einer, der hat nicht so richtig Lust auf die neue Saison und das ist FritzRedakteur Arne Lehrke.

Ein Kommentar von Arne Lehrke

Flanke, Abschluss, Tor. Uiii, Fallrückzieher-Versuch. Schiri der hat schon gelb. Ich gucke jetzt seit über 20 Jahren Fußball. Das bedeutet, ich kenne sogar noch andere Meister als den FCB. Dieses Jahr könnte es an der Spitze endlich mal wieder richtig eng werden. Und trotzdem ist sie bei mir vollständig verflogen: die Euphorie der letzten Jahre.

Dabei sind es nicht mal die Ablösesummen, die ins Aberwitzige steigen oder Spielerstreiks, die mir die schönste Nebensache der Welt vermiesen. Irgendwie habe ich Ermüdungserscheinungen wie nach 50 Saisonspiele 90 Minuten durch rennen.

Früher hat meine Mutter gesagt: "Da rennen doch nur 22 Männer dem Ball hinterher." Und ich kopfschüttelnd: "Nein Mama, wenn überhaupt 20 Spieler und zwei Torhüter." Aber heute kann ich ihre Perspektive verstehen. Wenn die Aufstellungen mit 4-3-3 mit falscher Neun oder einem 5-3-2 mit flexiblen Außenverteidigern eingeblendet werden, dann ist da nicht mehr dieses Kribbeln, diese Aufregung.

Mittlerweile ist da nur das Gefühl von ewiger Wiederholung, von noch einer Flanke, von noch einer Schwalbe und von noch einer Auswechslung, um Zeit zu schinden. Irgendwie dreht sich gerade alles im Kreis.

Im Kreis, wie die Formel 1, die ich nach 20 Jahren für mich wiederentdeckt habe. In die ich mich momentan manisch reinstürze. Die ich jetzt das erste Mal richtig begreife, die Regeln verstehe und die Fahrer kennenlerne.

Krasser Wechsel da in der Rennpause übrigens von Gasly und Albon im Red Bull und Toro Rosso. Und diese wahnsinnige Aufholjagd von Vettel in Hockenheim. Von Platz 20 auf Platz Zwei! – Sorry, ich schweife ab…

Ob das mit dem Rennsport jetzt nur eine Phase ist, kann ich noch nicht sagen. Vielleicht vermisse ich die alte Flamme Fußball auch wieder, an die ich mich schon so sehr gewöhnt hatte, dass wir uns nichts mehr zu sagen hatten. Und vielleicht ist die Formel 1 auch nur für den Moment frisch und aufregend und eigentlich verstehen wir uns doch gar nicht so gut.

Aber momentan sehe ich lieber dabei zu, wie das Gummi die Ziellinie überquert, als dass das Leder in die Maschen gedroschen wird. Und da kann auch ein perfekter Fallrückzieher nichts dran ändern!

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