Tausende Besucher blicken einen Hügel zur Woodstockbühne herunter. (Quelle: AP/Picture Alliance) | Bild: AP/Picture Alliance

- Der beste Trip aller Zeiten

Das Woodstock gilt als Mutter aller Festivals und Höhepunkt der Hippie-Bewegung. Auch 50 Jahre später lebt der Mythos.

Blumenkränze, Rock’n’Roll, freie Liebe – Als Carlos Santana am 16. August 1969 auf dem Gelände des Woodstock-Festivals ankommt, spürt er davon erst mal wenig. Er könne leider erst in zwölf Stunden auftreten, hieß es von Seiten der Veranstalter, sorry, leichte Planungsschwierigkeiten.

Der Latinrock-Musiker ist angepisst. Er war noch ein Newcomer, ok, aber mussten sie ihn deshalb so behandeln? Aber der Ärger hält nicht lange. Denn Santana macht einfach das, was an diesem Wochenende auf einer Kuhweide im Staat New York viele der knapp 500.000 Besucher tun: Er schmeißt eine Runde LSD.

Picture Alliance/Media Punch

Nicht nur die Besucher sind zugedröhnt

Eine halbe Stunde später soll Santana dann plötzlich doch auf die Bühne. Völlig zugedröhnt beginnt er zu spielen. Auf einmal wandelt sich der Hals seiner Gitarre zu einer Schlange. Sie will ihn beißen! Santana ignoriert seine Halluzinationen so gut es geht und spielt einfach weiter. Der Auftritt beim Woodstock sollte sein Durchbruch werden.

Auch Headlinerin Janis Joplin, eine der zentralen Symbolfiguren der Hippie-Kultur, steht mit ordentlich Schampus intus auf der Bühne. Andere Musiker spielen erst gar nicht. Wenn sie nicht ihr Rausch daran hindert, dann die verstopften Zufahrtswege. Mit so viel Andrang haben die Veranstalter nicht gerechnet.

Blick auf einen Hügel mit tausenden Besuchern des Woodstock Festivals 1969. (Quelle: Picture Alliance/Keystone)

Die Künstler werden kurzerhand per Helikopter eingeflogen. Das Personal an den Einlasskontrollen ist so überfordert, dass das Festival irgendwann für alle geöffnet wird. Für die Veranstalter ein finanzielles Desaster. Es wird elf Jahre dauern, bis sie ihren Schuldenberg von 1,3 Millionen US-Dollar abbezahlt haben.

Leben von Luft und Liebe

Die Woodstock-Besucher lassen sich durch keine der zahlreichen Pannen an diesem Wochenende aus der Ruhe bringen. Schon nach kurzer Zeit geht das Essen aus. Die 600 Toiletten sind viel zu wenige und medizinische Versorgung gibt es auch kaum. Als dann am Sonntag auch noch Unwetter ausbrechen und es sieben Stunden lang durchregnet, wird das Gelände zum Katastrophengebiet erklärt. Und was macht die Festival-Crowd? Sie vergnügt sich mit Schlammrutschen, Nacktbaden und optimistischen "Let The Sunshine In"-Sprechchören.

Ein Mann springt auf dem Woodstock Festival von einem Baumstamm mit offenen Armen in einen Heuhaufen. (Quelle: AP/Picture Alliance)

Woodstock wird zur Utopie einer friedlichen Gesellschaft

Hoffnung – Das ist die politische Agenda der Woodstock-Besucher. Hoffnung auf sonnigere Zeiten, auf ein Ende des Vietnamkriegs, ein Ende der Diskriminierung gegen Schwarze, ein Ende gesellschaftlicher Zwänge und unterdrückter Sexualität. Dieses Wochenende im August 1969 ist für sie der Beweis dafür, dass es möglich ist. Die Utopie einer friedlichen, freien Gesellschaft, sie wird beim Woodstock Festival plötzlich greifbar.

Als ein Jahr später die Doku zum Festival erscheint, verbreitet sich der Geist von Woodstock auf der ganzen Welt. Auch in Deutschland kommt es zu Friedens-, Umwelt- und Anti-Atomkraft-Bewegungen, die es ohne Woodstock so wahrscheinlich nicht gegeben hätte.

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2 Kommentare

  1. 2.

    Hi Mia, die Kollegen von radioeins hatten sich ausführlich mit den Songs von damals beschäftigt.
    https://www.radioeins.de/musik/die-100-besten-2019/hippiesongs/
    Da ist auch ne super Playliste verlinkt. LG

  2. 1.

    Schon geil gewesen... hätte mir gern den einen oder anderen Song von damals bei euch gewünscht!