Ein Verbotsschild für Bier an einem Spätkauf (Foto: imago images / Arnulf Hettrich)
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- Berlin, Stadt der Verbote

Spätis dürfen sonntags nicht mehr öffnen. Böllern an Silvester soll verboten werden. Wird Berlin immer spießiger?

Die rot-rot-grünen Koalitionsfraktionen im Berliner Abgeordnetenhaus wollen die Silvesterknallerei stark einschränken. Böller sollen in bestimmten Bereichen verboten sein. Fritzin Regina Lechner reicht’s: Sie hat den Eindruck, dass mehr und mehr Verbote in Berlin erlassen werden die Stadt langsam immer spießiger wird.

Ein Kommentar von Regina Lechner

Ich geb’s zu: Ich bin eine dieser Zugezogenen. Vor rund zehn Jahren bin ich der Spießigkeit und Ordnungshörigkeit einer süddeutschen Kleinstadt entflohen, um in Berlin mein Glück zu finden. Die Freiheitsliebe der Hauptstädter hat mich in ihren Bann gezogen.

Aus meiner katholischen Heimat kannte ich ja sogar sowas wie Sperrstunden und Tanzverbote an bestimmten Feiertagen. Für Berliner war das unvorstellbar. Feiern rund um die Uhr - hier kein Problem.

Wenn ich in Berlin sonntags Lust auf Bier oder Tiefkühlpizza habe, muss ich nicht zur Tankstelle fahren, sondern kann in den nächsten Späti gehen. Das soll jetzt aber wirklich vorbei sein. Denn es gibt ja ein Ladenschlussgesetz, das lange einfach niemanden interessiert hat. Und das mochte ich immer an Berlin: Dass man es mit den Vorschriften manchmal nicht so genau nimmt.

Als nächstes will die Berliner Regierungskoalition Böllerverbotszonen an Silvester einführen. Nun, ich muss zugeben, an meinem ersten Silvester in Berlin habe ich mich wie auf einem Kriegsschauplatz gefühlt. Nur, dass hier alle gegen alle kämpfen. Von mir aus sollen sie das doch machen.

So langsam bekomme ich aber das Gefühl: Berlin wird zu der Spießerstadt, aus der ich mal geflohen bin. Beim Karneval der Kulturen gab es dieses Jahr sogar eine ganze Liste an Verboten. Es war nicht erlaubt, Alkohol mitzubringen - wobei der Caipi natürlich an jeder Ecke geflossen ist. Ebenfalls verboten: Inlineskates. Wer so doof ist, dass er meint, durch den Karneval auf Rollschuhen fahren zu müssen - bitteschön. Go for it. Schon mal von gesundem Menschenverstand gehört? Oder muss man die Leute jetzt vor sich selbst schützen?

Und wer in diesem Jahr am 1. Mai im Görlitzer Park war - ansonsten Epizentrum der Feierei -, der fand sich eher auf einem gemütlichen Familienpicknick wieder. Ohne Alkohol und laute Musik, die waren nämlich auch da nicht erlaubt.

Und ja, natürlich, viele dieser Verbote machen das Leben sicherer. Und ruhiger. Aber eben auch langweiliger. Das Schöne an Berlin ist doch, dass man die Wahl hat. Wer Silvester nicht im Auge des Orkans aka Hermannplatz verbringen will, muss das auch nicht tun. Keine Lust auf Exzess am 1. Mai? Dann ab mit Euch nach Spandau, Lichterfelde oder Lankwitz. Und wem das immer noch nicht reicht, dem kann ich süddeutsche Kleinstädte empfehlen.

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1 Kommentar

  1. 1.

    Berlin schadet nicht, wenn man mal härter durchgreift! Lange genug ist die Stadt von Touristen, Hipsters und Assis übernommen worden.