Fusion Festival in Lärz (Quelle: imago/Frank Brexel)
Bild: imago/Frank Brexel

- Keine Future für die Fusion?

Fünf Tage Traumzauberwald zusammen mit 70.000 Menschen auf 28 Floors: Das ist die Fusion bisher. Jetzt sollen Polizisten Streife laufen. Ein NoGo für die Macher. Ein Ende für das Festival?

Nun ist es deutlich: "Wenn sich das nicht abwenden und sich keine langfristig vertretbare Lösung finden lässt, wird es das Festival nicht mehr geben", sagt Martin Eulenhaupt, Vorstandsmitglied vom Verein Kulturkosmos Müritz, der die Fusion seit über 20 Jahren veranstaltet. "Das" ist, was die Polizei Neubrandenburgs künftig auf der Fusion will: 1.000 Polizeibeamte mit einer Wache auf dem Festivalgelände, die den ganzen Tag Streife über das Festival laufen. Auf der ersten Pressekonferenz der Kulturkosmos- und damit der Fusion-Leute haben die Festivalveranstalter am Mittwoch erklärt, warum sie eigentlich so ein großes Problem damit haben und was es für die diesjährige Fusion bedeutet.

  • Wer oder was ist diese Fusion?

Das Fetivalgelände der Fusuion bei Tag. (Foto: imago/Frank Brexel)

Der Knackpunkt: Anlasslose Kontrollen auf dem Gelände

Dieses Jahr will die Polizei in Neubrandenburg zum ersten Mal in 22 Jahren eine Polizeiwache mitten auf dem Festivalgelände errichten und auch anlasslos Menschen kontrollieren dürfen. Davon sei der Verein überrascht gewesen. Martin Eulenhaupt von der Fusion, der bei der Pressekonferenz auch vom Bürgermeister der naheliegenden Stadt Mirow mit "Eule" angesprochen wird, erzählt, dass sich das Festival bisher mit der Polizei und den Ordnungsbehörden auf Augenhöhe befunden habe. Bisher seien rund 50 bis 200 Polizisten lediglich außerhalb des Festivalzauns dafür zuständig gewesen, die Festivalcrowd wieder nüchtern und clean in ihre Autos steigen zu lassen und mögliche Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz festzustellen. Nach eigenen Angaben hat die Polizei in den vergangenen Jahren jeweils etwa 200 Autofahrerinnen und Autofahrer mit Drogen beziehungsweise Alkohol im Blut angehalten. 

Polizei: Wir wollen nicht in jedes Zelt gucken.

Der Polizei und den Ordnungsbehörden geht es um Mängel im Sicherheitskonzept - beim Jugendschutz, beim Bau der Hangars, in denen gefeiert wird und bei der medizinischen Betreuung. Neubrandenburgs Polizeipräsident Nils Hoffmann-Ritterbusch gibt sich auf der Pressekonferenz der Polizei, einen Tag zuvor, am Dienstag, kompromissbereit. "Wir wollen die 'Fusion' nicht verbieten". Sie wollen auch nicht, in jedes Zelt gucken, Taschen kontrollieren oder "mit massiver Polizeipräsenz das Kulturerlebnis stören." Die Polizei wolle lediglich "schnell bei jedem Ereignis handlungsfähig sein." Angeblich gebe es auch "konkrete Hinweise" darauf, dass "gefährliche Personen" zur Fusion gelangen wollen. 

Hintergrund der strengeren Sicherheitsbestimmungen sei eine 2018 in Kraft getretene Versammlungsstätten-Verordnung. 

Fusion-Festival in Lärz © imago images/Frank BrexelFusion-Festival in Lärz

Fusion: Die Polizei ist wie ein Geldautomat.

Der Verein lehnt bisher vor allem eine geplante Polizeistation ab, die sich direkt auf dem Festivalgelände befinden soll. Ihr Kompromissvorschlag: eine außerhalb des Zauns, aber in unmittelbarer Nähe. Martin Eulenhaupt vergleicht auf der Pressekonferenz die Polizei mit einem Geldautomaten. "Ein Geldautomat steht mit Absicht nicht inmitten des Geländes, sondern am Tower. Denn niemand will permanent einen Geldautomaten sehen." Aber es gebe Menschen, die dann doch Geld bräuchten, dann 10 Minuten zu Fuß gehen und ihn erreichen würden - ebenso wie die Polizei. 

Neben den befürchteten anlasslosen Kontrollen, gehe es um die Stimmung und die Philosophie des Festivals. Beides baue auf der Freiheit der Kunst und der freien Entfaltung der Gäste auf, sagt Larissa Krause von der Clubcommission: "Auf Festivals werden Utopien gelebt. Hier probieren sich Leute aus. Hier experimentieren sie mit ihren Grenzen. Aber sie lernen auch Grenzen anderer zu akzeptieren und Verantwortung für einander zu tragen." 

Petition, Politiker, Promis

Die Fusion-Macher hatten am Wochenende bereits eine Petition gestartet. Bisher haben über 98.000 Menschen unterschrieben und fordern, dass die Polizei weg bleibt vom Festival - zumindest Patrouille laufend. Auch die war Thema bei der Pressekonferenz und gelte für die Veranstalter als ein "offensichtliches, ernstzunehmendes Votum", dass es so nicht gehe.

Kurz vor Ende der Pressekonferenz kommt Schauspielerin Meret Becker (Tatort-Berlin, Kommissarin Nina Rubin) hinzu und hält ein mehrminütiges Plädoyer für das Festival. "Wenn dort die Polizei installiert wird, verliere ich die Freude, Bürgerin dieses Landes zu sein", sagt die Schauspielerin. Als sie selbst als Künstlerin bei der Fusion aufgetreten ist, habe sie die Fusion als "hippiemäßig freundliches" Festival erlebt, bei dem sich für jeden noch so kleinen Rempler entschuldigt werde. Anlasslose Kontrollen würden bei ihr für ein "ungutes Bauchgefühl" sorgen, vor allem dann, wenn Polizeikräfte in Deutschland an anderer Stelle gebraucht würden. Auch Grünen-Politiker Cem Özdemir stellte sich mit einem Tweet hinter das Festival und plädierte für einen Kompromiss zum Sicherheitskonzept. 

Möglicher Kompromiss?

Am 16. Mai wollen sich die Veranstalter und Behörden wieder treffen, um eventuell einen Kompromiss zu finden und darüber zu entscheiden, ob das Festival dieses Jahr stattfinden kann. Der Fusion-Verein will das Festival auf jeden Fall stattfinden lassen - und das notfalls auch mit rechtlichen Mitteln durchsetzen. Geplant ist die Fusion vom 26. bis 30. Juni.

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1 Kommentar

  1. 1.

    Ich bin zwar kein Festival Gänger aber die Polizei/ Politik sollte mal wo anders anfangen aufzuräumen! Es gibt weit wichtigere Punkte im System!