Ein Feuerwehrmann beim Löschen eines Grpßbrandes in Berlin. (Foto: imago/Marius Schwarz)

- "So sollte Feuerwehr nicht sein"

Berliner Retter in Not - auch nach einem Jahr "Berlin brennt" ist die Feuerwehr unterbesetzt und steht vor Problemen. 

Die Berliner Feuerwehr hat immer mehr Einsätze, aber zu wenige Feuerwehrleute, um diese vernünftig zu bewältigen. Das haben die Feuerwehrleute vor einem Jahr am Roten Rathaus deutlich gemacht, indem sie eine Tonne anzündeten und zum gemeinsamen Protest den Verein "BerlinBrennt e.V." gründeten. Ein Jahr später sind die Bedingungen laut Feuerwehr noch schlimmer geworden.

Ein Feuerwehrmann beim Löschen eines Grpßbrandes in Berlin. (Foto: imago/Marius Schwarz)

Wenn die Drehleiter stehen bleibt

Es ist ein ernster Einsatz in der letzten Woche in Neukölln: Eine Wohnung steht in Flammen, zwei Bewohner kommen ums Leben. Aus Neukölln und Kreuzberg fahren Löschfahrzeuge zum Einsatz, doch die Drehleiter muss in der Wache stehen bleiben. Dafür gibt es keine Feuerwehrleute mehr auf der Wache, die sitzen alle schon im ersten Fahrzeug. Zum Glück brennt es zu diesem Zeitpunkt nicht in Friedrichshain: Die Kollegen dort haben noch Kapazitäten, ihre Drehleiter nach Neukölln zu schicken.

Neuer Dienstplan mit Tücken

Dieser Fall ist keine Ausnahme, sondern seit der Dienstplan-Umstellung im September an der Tagesordnung bei der Berliner Feuerwehr. Als Reaktion auf die Proteste sollten die Einsatzkräfte entlastet werden: Sie arbeiten pro Woche vier Stunden weniger. Dadurch steht den Wachen aber weniger Personal zur Verfügung - also werden seit September in Berlin die Drehleiterfahrzeuge nicht mehr fest mit Personal besetzt. Bei Bedarf werden Kollegen von anderen Fahrzeugen abgezogen, die gerade nicht im Einsatz sind. Und das ist meist eine weiter entfernte Wache.

Personalmangel und wenig Hoffnung

Diese akute Unterbesetzung kann nur mit mehr Personal entschärft werden. Laut "BerlinBrennt e.V." müssten mehr als 1.000 weitere Stellen besetzt werden, um die Überlastung der Feuerwehrleute zu beenden. Zugesagt hat der Senat 350 Stellen, gerade mal ein Drittel der Forderung. Das größere Problem aber: Erst in drei Jahren stehen die Kräfte nach ihrer Ausbildung zur Verfügung. Bis dahin befindet sich die Berliner Feuerwehr laut Sprecher Thomas Kirstein auf einer "Durststrecke" und die Drehleiterfahrzeuge werden auch nicht fest besetzt werden können.

Versprechen mit Wartezeit

Die Feuerwehr bekommt eine monatliche Zulage mit der die Besonderheiten des Einsatzdienstes der Feuerwehr, insbesondere der mit dem Nachtdienst verbundene Aufwand sowie der Aufwand für Verzehr mit abgegolten wird. Diese Zulage sollte um sechs Euro pro Monat. Das war die Zusage aus den Verhandlungen zwischen Senat und Feuerwehr nach den Protesten. Diese sechs Euro sind bisher nicht bei den Feuerwehrleuten angekommen. Auch die versprochene Kampagne gegen Notrufmissbrauch, um die vielen unnötigen Fehleinsätze zu ersparen, lässt noch auf sich warten.

Frustrierte Retter

Erik Herbote ist seit 2000 Feuerwehrmann in Berlin und "BerlinBrennt"-Vorstand. Seine Frustrationsgrenze hat er längst erreicht: "Es könnte der geilste Job der Welt sein, aber nicht so, wie es gerade läuft. Zu viele Kollegen kommen nur noch zur Arbeit und zählen die Stunden, bis sie nach Hause zur Familie können. So sollte Feuerwehr nicht sein." 

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2 Kommentare

  1. 2.

    Hey Fritz ein sehr guter und ehrlicher Bericht. Bei der Feuerwehr läuft leider einiges schief.
    Unsere Navigationsgeräte zum Beispiel haben immer noch die Software von 2009 was dazu beiträgt das es immer wieder zu Verzögerungen bei Anfahrten zum Einsatzort kommt.

  2. 1.

    Atrraktivere Löhne bitte, dann würde ich gern bei der Feuerwehr arbeiten