Alex will nicht erkannt werden, aber über die Alkoholsucht seines Vaters reden, um anderen zu helfen(Quelle: Maximilian Schubert)

- Wenn der Vater Trinker ist

Leere Weinflaschen hinterm Sofa, Wutausbrüche und große Ungewissheit: Alex' Vater war Alkoholiker und er hat ihn verachtet. Jetzt nicht mehr. Warum, erzählt uns Alex.

"Ich hab einfach gedacht, der liebt uns nicht genug und muss sich verdammt noch mal zusammenreißen und aufhören zu trinken. Deshalb war ich so wütend." Sein Mund verzieht sich fast ein bisschen zu einem Lächeln, obwohl seine Worte alles andere als fröhlich sind.

Gefasst erzählt Alex, der eigentlich anders heißt, von seinem bereits verstorbenen Vater. Inzwischen ist er nicht mehr der kleine zehnjährige Junge, der erst noch begreifen muss, dass sein Vater eine schlimme Krankheit hat. Alex kann auf viele Jahre zurückblicken, die sehr von der Alkoholsucht seines Vaters geprägt waren: "Viele Menschen sagen über ihre Kindheit, dass es die unbeschwerteste Zeit in ihrem Leben war. Das kenne ich einfach nicht." Er berichtet von leeren Weinflaschen, die er immer häufiger hinterm Sofa versteckt gefunden hat.

"Er ist zwar nie gewalttätig geworden, aber war ein Choleriker."

Dann geht sein Vater nicht mehr regelmäßig zur Arbeit, kann sich das als Unternehmer auch erlauben, aber irgendwann verlässt er kaum noch das Bett. Einerseits sei er mit einer sehr liebevollen Mutter aufgewachsen und materiell habe es Alex auch an nichts gefehlt, andererseits beschreibt er seine Kindheit mit dem Wort Ungewissheit. Er erinnert sich daran, dass seine Eltern oft lautstark gestritten haben und sein Vater dabei eine tragende Rolle hatte: "Mein Vater konnte jeden Moment ausrasten. Er ist zwar nie gewalttätig geworden, aber war ein Choleriker." Besonders schlimm sei gewesen, dass Alex, seine zwei Brüder und seine Mutter nie wussten, wie die Laune des Vaters sein würde, wenn sie nach Hause kommen.

Alex Vater war schwer alkoholsüchtig. (Quelle: Maximilian Schubert)

"Alkoholiker sind Menschen, die sich nicht im Griff haben."

Alex beschreibt seine Familie als sehr weltoffen und erzählt, dass sie zusammen in die USA und nach Asien gereist sind und auch regelmäßig gemeinsam im Skiurlaub waren. Sein Vater war als kulturinteressierter Mensch immer mit dabei und hat gern die Reiseplanung übernommen. Das mag das Bild des Klischeealkoholikers nicht bestätigen, aber das gibt es laut Alex auch nicht: "Alkoholiker sind Menschen, die sich nicht im Griff haben." Das sei unabhängig von Gesellschaftsschicht und der Höhe des Gehalts. Je älter Alex wurde, desto wütender machte ihn das Verhalten seines Vaters: "Er hatte zwar immer wieder Phasen, in denen er trocken war, aber wir wussten nie wie lang."

"Ich habe für meinen Vater lange Zeit nur Ablehnung empfunden."

Das Unverständnis über das Verhalten seines Vaters bringt ihn dazu, mit aller Macht gegen ihn zu arbeiten, ihn mit seiner Krankheit zu konfrontieren und zurückzuschreien. Am täglichen Trinken des Vaters änderte das wenig und ließ Alex und seine Familie hilflos zurück: "Ich habe für meinen Vater lange Zeit nur Ablehnung empfunden und wollte nie so werden wie er."

"Nimm deine Gefühle ernst und sprich darüber!"

Vor zehn Jahren ist Alex' Vater überraschend gestorben: "Es war einer der schwersten Momente meines Lebens und trotzdem muss es für ihn auch eine Erleichterung gewesen sein." Um die Erfahrungen zu verarbeiten, macht Alex eine Therapie und geht zu Selbsthilfegruppen. Er ist erwachsen geworden, hat sein Studium beendet und einen Job gefunden, mit dem er zufrieden ist: "Jetzt verstehe ich, dass mein Vater ein sehr, sehr kranker Mensch war und ich habe heute viel Mitgefühl mit ihm und so viel Liebe, wie ich sie vorher nie gespürt habe." Anderen Menschen, die in ähnlichen Familienverhältnissen aufgewachsen sind, empfiehlt er deshalb: "Spiel das nicht runter, nimm deine Gefühle ernst und sprich darüber!"

Porträt Alex, Sohn eines Alkoholikers

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4 Kommentare

  1. 2.

    N'Abend liebe Marcella, DANKE fürs Blümchen. Wir sind ein Radiosender, sichi ! Plus ganz viel Social Media (Insta, Face, Twitter & Co.). Klaro, das Porträt lief gestern Nachmittag auch im Radio! Ist jetzt auch nochmal unten im Beitrag zum Anhören.

  2. 1.

    Schöner Clip, lief das auch bei euch im Radio? Seid ihr eigentlich ein Radio- oder ein videosender?