Linda und Dave schauen auf Berge. (Quelle: Privat)
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- Das Leben im harten Modus spielen

Alltag mit einem depressiven Partner

"Sie lag von jetzt auf gleich weinend und schreiend im Bett, am Arm ein neuer Verband", erzählt Dave. Er hat es mit Nähe und Distanz versucht, aber er ist hilflos in solchen Momenten.

Immer dann, wenn die Depression mal wieder auf einem Höhepunkt ist, ist seine Freundin Linda am Tiefpunkt. Zum Glück, erzählt Linda, geht es ihr aber seit den letzten drei Jahren immer besser. Mit dem Ritzen hat sie aufgehört - wegen ihrer aktuellen Therapeutin und wegen Dave.  

"Er ist wie ein Bett für mich", erzählt Linda. Früher habe sie sich gefühlt, als läge sie auf dem harten, kalten Fußboden. Mit Dave wisse sie, egal wie tief sie fällt: Unter ihr ist ein Bett, das sie zumindest warm hält. Seit fünf Jahren kämpft er mit Linda gegen die Depression.

Depressiv aus dem Nichts bis hin zum Selbstmordversuch

Weinen, Schreien, den Kopf gegen Wände schlagen, sich selbst verletzen - das war lange Zeit immer wieder Alltag von Linda. "Out of Nowhere" kam Lindas Depression als sie 13 Jahre alt war. Ihr ging es einfach schlecht, seltsame Gefühle kamen hoch: "Alles schwarz, Leere, Schwere und Sinnlosigkeit."

Sie hat sich immer mehr zurückgezogen, was es noch schlimmer machte. Mit 16 hat Linda versucht, sich das Leben zu nehmen. Danach "Klapse", wie sie scherzt. Sie dürfe das. Als sie Dave kennengelernt hat, hatte sie schon etliche Therapien hinter sich - auch Antidepressiva.

Aber wirklich dauerhaft besser wurde es nie. Ging es ihr mal wieder schlecht, gab es einen krassen Streit, dann hat sie sich wieder selbst verletzt. Am Arm. Auf den Oberschenkeln. Natürlich so, dass es nicht jeder sieht, sagt Linda.

"Ich fühle gerade nichts. Auch nicht für dich."

Dave fielen die Narben am Arm schon beim ersten Date auf. Abgeschreckt war er aber nie: "Meine Kleine war immer extrem offen und wir haben darüber geredet", schmunzelt er. "Das hat mir Hoffnung gegeben, es zu schaffen".

Das Wichtigste sei für ihn gewesen, zu verstehen und anzunehmen, dass Linda krank ist - wenn sie ihn abweist, sich selbst verletzt, oder ihm "Ich hasse dich" entgegenschmettert. "Das hat nichts mit mir zu tun, auch wenn es mich im ersten Moment verletzt", erzählt Dave.

Auch nicht mit ihren Gefühlen zu ihm: "Am Anfang habe ich gesagt, ich fühle gerade nichts. Auch nicht für dich." Linda sei in depressiven Phasen einfach alles und jeder egal. Aber dann hat sie es gecheckt: "Im Kopf weiß ich, dass ich ihn liebe, auch wenn ich es gerade nicht fühlen kann." Genau das sei Depression. Und das hat sie ihm dann genau so zu verstehen gegeben.

"Ich weiß wie stark ich bin und dass es auch wieder aufhört."

Über die letzten Jahre haben beide Strategien entwickelt, was sie machen können, wenn Linda mal wieder in ihrer "Glaskugel mit ganz viel Watte drumherum" ist und nicht interagieren kann, wenig redet, auf ihn nicht reagiert. Dann gibt es nur: Rollo runter, stundenlang im Bett liegen, viel weinen.

Wenn Linda nach Abstand verlangt, gibt Dave ihn ihr, erzählt ohne etwas zu erwarten von seinem Tag, kümmert sich um den Hund, macht den Haushalt und nimmt Linda all das ab, wozu sie gerade nicht in der Lage ist.

Nach drei Tagen ist es dann bestenfalls vorbei und beide freuen sich umso mehr auf Tag vier und darüber, dass sie es geschafft haben. Linda weiß mittlerweile in solchen Momenten: "Augen zu und durch. Ich weiß, wie stark ich bin und dass es auch wieder aufhört." Zurzeit haben beide erst einmal wieder für drei Monate eine gute Zeit. Die verbringen sie mit ihrem kleinen Chihuahua oder reisen. Derzeit macht Linda sogar ein Auslandssemester in Schweden für ihren Master.

"Lasst Euch von der Depression nicht einschüchtern."

"Wenn das Leben ein Spiel ist, spiele ich auf jeden Fall im härteren Modus", lacht Linda. Klar, diesen Rucksack würde sie gern abgeben. "Ist es aber nicht", witzelt sie. Also sieht sie das Positive. Sie sei sehr gut darin, sich selbst zu reflektieren und könne seitdem auch feinfühliger andere Menschen wahrnehmen.

"Lasst Euch von der Depression nicht einschüchtern", sagt Dave. Das ist das Wichtigste. Dem anderen beim Therapeuten suchen helfen, mit Ärzten sprechen, Freunde involvieren, sich selbst nicht vergessen - all das habe ihm geholfen. "Man sieht es ja bei uns. Es ist eine Krankheit. Und die kann man behandeln."

Depression: Symptome und Tipps

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Porträt: Linda und Dave - ihre Beziehung mit Depression

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