Ein Bodybuilder zeigt seine Muskeln (Quelle: imago/Zuma Press)
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- Dick im Mucki-Geschäft

Wie sinnvoll ist Sportnahrung?

"Testo Shock", "Brutal Blade", "Gainerator" - Nein, das sind keine Namen von neuen Actionfilmen. So heißen Sportnahrungs-Produkte - auch Supplements genannt. In ganz Berlin hängen Werbeplakate von Sportnahrungsmarken mit schönen, muskulösen Menschen. Und die Industrie boomt mit jährlich über 100 Millionen Euro Umsatz alleine in Deutschland. Aber: Was kann Sportnahrung wirklich? FritzReporterin Henrike Möller hat es herausgefunden.

Wundermittel oder Humbug?

Die Hersteller behaupten, Proteinshakes seien besser als natürliches Protein wie zum Beispiel in Ei, Kartoffeln oder Huhn. Denn das Protein in den Shakes werde vom Körper schneller aufgenommen. Es gelange schneller zum Muskel, wodurch dieser dann schneller wächst.

Dr. Paul Schmidt, Sportmediziner der Charité Berlin, meint allerdings: Alles nur Humbug. Es sei überhaupt nicht bewiesen, dass der Körper direkt nach dem Training Protein brauche. Genau das empfehlen aber die Hersteller. Dabei betont Schmidt auch, dass es besser sei, Protein in kleineren Dosen über den Tag zu sich zu nehmen.

Eiweiß ohne Qual

Wer richtig Muskeln aufbauen will, braucht mindestens doppelt so viel Eiweiß wie sonst - da sind sich die meisten Sportmediziner und Sporternährungswissenschaftler einig. Franz, 28, aus Pankow ist ein richtiger Pumper und sagt, er könne diese große Menge aber nicht über die Nahrung aufnehmen: "Ich esse ganz schön viel am Tag und quäle mir viele Sachen rein. Da ist so ein Proteinshake eine schnelle Eiweißquelle, die nicht so sehr stopft und schnell runtergeht."

Hinzu kommt, dass die Shakes mit ihren unterschiedlichen Geschmacksrichtungen auch besser schmecken als mehrere Eier am Tag. Gutes Proteinpulver erkennt man übrigens daran, dass es die Aminosäuren Leucin und Isoleucin enthält. Dr. Paul Schmidt empfiehlt allerdings nur ein Drittel des Mehrbedarfs über Proteinshakes abzudecken. 

Zuckerfalle und Nährstoffmangel

Wer normal weiter isst und zu viele Shakes am Tag trinkt, könnte zunehmen, warnt er. Denn in manchen Proteinshakes ist viel Zucker drin. Trinkt man die Shakes als Ersatz zur täglichen Nahrung, fehlen auf Dauer wiederum andere, wichtige Nährstoffe.

Es besteht also die Gefahr einer zu einseitigen Ernährung. An sich ist zu viel Protein, aber nicht gefährlich, sagt Schmidt. Dass zum Beispiel die Nieren darunter leiden, sei nur ein Mythos. Bei einer Überdosierung von Supplements bekommt man aber höchstens Durchfall oder Blähungen.

Pillen statt Protein?

Ein anderes lukratives Geschäft sind Pillen. Vor allem Kreatin scheint unter den Pumpern beliebt zu sein. Kreatin soll die Kraft bei kurzen, intensiven Belastungen steigern. Statt fünf soll man dadurch zum Beispiel sieben oder acht Übungsdurchgänge schaffen.

Sportmediziner Schmidt stimmt dem zu. Aber es sei nicht bewiesen, dass durch Kreatin tatsächlich die Muskeln schneller wachsen. Vielmehr bekommt man dadurch "Fake-Muskeln", weil Kreatin zu Wasserablagerungen führe.

Geldmache durch Lifestyle

Die Wirkung muss bei Supplements vom Hersteller nicht nachgewiesen werden. Was dort verkauft wird, sind auch keine Neuheiten. Aber die Vermarktung als Lifestyle-Produkt funktioniert. Ein Kilogramm Proteinpulver kostet 30 bis 60 Euro, pro Shake macht das etwa ein bis zwei Euro.

Geld, das man sich eigentlich sparen kann. Denn so gut wie alles, was hier als Pillen und Pulver verkauft wird, nehmen wir in ausreichenden Mengen über die Nahrung auf. Für den Hobbysportler mehr als genug, sagt Ernährungswissenschaftler Dr. Malte Rubach.

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