Neues Wort
Bratze "Highlight"
Elektro-Punk mit (zwei) Köpfchen
Ob Audiolith-Labelchef Lars Lewerenz sich die neue Platte von Bratze vor Erscheinen diesmal angehört hat? Sicher ist das nicht, denn schon beim ersten Album des Hamburger Elektropunk-Duos hat der Audiolith-Gründer den beiden Jungs so blind vertraut, dass er sich vom musikalischen Ergebnis einfach überraschen ließ. Von solch einem großen Vertrauensbeweis können andere Künstler wohl nur träumen. Norman Kolodziej und Kevin Hamann haben sich diese Loyalität ihrer Plattenfirma mit ihren Nebenprojekten Der Tante Renate und Clickclickdecker erspielt.
Die musikalische Entwicklung, die sich in den Soloprojekten der beiden abzeichnet, wächst bei Bratze zu einem logischen Ganzen zusammen. Die Rollen in der Band sind klar verteilt: Während Kevin Hamann dem Hörer die Texte entgegenschleudert, untermauert Norman Kolodziej die Worte mit Klängen. Messerscharfe Beats, knarzende Synthesizer und eingängige Melodien sind die Eckpunkte, die die Tanzmeute genauso zufriedenstellen werden wie die fortgeschrittenen Elektro-Musik-Nerds. Dabei fügen sich analoge Gitarren nahtlos in digitale Sounds ein.
Dennoch formt die Musik vor allem die kantig-schroffe Landschaft, in die Bratze ihre deutschsprachigen Texte gießen können. Halb gesungen, halb geschrien bewegen sich die Zeilen zwischen Poesie und Manifest, zwischen Widersprüchen und Verweigerung. Ihre Bedeutung entfalten sie erst verzögert und für jeden anders – und bieten damit eine angenehme Nachhaltigkeit. Auf Krawall gebürstet sein und trotzdem reflektiert, charmant und spitzfindig bleiben – das schaffen Bratze sehr gut. Keine Frage – auch das dritte Bratze-Album ist ganz vorne dabei, wenn es um Elektro-Pop mit Köpfchen geht. Und die Audiolithen wissen ganz genau, was sie an den beiden musizierenden Querdenkern haben.
VÖ: 3.09.12
Beitrag vom Fr, 28.09.12
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