Neues Wort
Las Vegas für Geeks
Die Campus Party Europe
Am ehemaligen Tempelhofer Flughafen sind kürzlich mal wieder Leute mit Rucksack und Isomatte rumgelaufen. Ganze Reisebusse mit Besuchern wurden ausgekippt und kaum jemand hat sich in dem riesigen Gebäude zurechtgefunden.
Aber da ist niemand in den Urlaub geflogen. Das sind alles nur Computerspielefreunde und sie wollten zur weltgrößten Nerdparty, zur "Campus Party Europe". Ein magischer Ort auch für unseren Hausnerd Marcus Richter, der hat sich das gestern schon mal angeguckt und hat einiges zu berichten.
Marcus, im Vorfeld hieß es, das wird das "Las Vegas für Geeks". Stimmt das, oder ist es doch eher ein Neuköllner Automatencasino?
"Campus Party" ist der Versuch, alles, was irgendwie mit Web und Computern zu tun hat, unter einen Hut zu bringen: Computerspielwettbewerbe, wissenschaftliche Vorträge, Basteln an Robotern, Austausch mit Gleichgesinnten. Im spanischsprachigen Raum hat die Veranstaltung schon Tradition, das viel herumgereichte Zitat "Las Vegas für Geeks" kommt von der BBC, die über die Campus Party 2011 in Brasilien berichtet hat.
Was war an der Party in Brasilien besonders?
So ein richtiges Highlight gab es nicht. Außer, das nicht nur viel Leute da waren, sondern auch der Ex-US-Vizepräsident Al Gore. Zählt das?
This ain´t Brasilien, wir sind ja in Berlin. Was ist für uns geplant bei der Party?
Zocken spielt eine wichtige Rolle: Es gibt Wettbewerbe, wo Ihr bis zu 10.000 Euro abstauben könnt. Es gibt viele Vorträge, das Feld reicht von "Wie schließe ich einen Computer ans menschliche Gehirn an?" bis "Wie produziere ich Musik in professioneller Qualität mit freier Software"? Den meisten Besuchern, die ich getroffen habe, geht es vor allem um zwei Sachen: Talks der großen Sprecher und der Genuss der Atmosphäre in einem Haufen Gleichgesinnter.
Können wir uns die "Campus Party Europe" dann wie eine Werkstatt vorstellen oder doch eher partymäßig mit Bars und Konsolen-Zockerei?
Ich empfand es eher wie ein Ferienlager und das meine ich nicht im guten Sinne. Bevor es reingeht, muss ein Passfoto abgegeben und ein Ausweis gezeigt werden. Auch die Taschen werden kontrolliert. Angeblich wird sogar an den Inhalten von Getränkeflaschen gerochen, weil es ein Alkoholverbot gibt. Auf dem Gelände selber waren gestern gefühlt genauso viele Security-Leute und Reinigungskräfte wie Gäste.
Das teure Essen kann man sich nicht einfach so kaufen, dazu werden Essensmarken gebraucht. Wer raus will, wird noch mal gescannt und muss seine Tasche filzen lassen. Also eher Bootcamp als Party. Zumindest gestern war auch die Stimmung eher ruhig als ausgelassen.
Begeisterung klingt anders...
Es ist eine passable, aber keine besondere Veranstaltung und ich fühle mich da schlecht behandelt. Gerade bei einem Publikum, das tendenziell gegen Überwachung und Gängelung eingestellt ist, sind solche Methoden nicht angebracht.
Ich will da nicht mehr hingehen, für alle anderen ist die Entscheidung noch einfacher: Die Campus Party ist nämlich restlos voll. Falls Ihr aber einen interessanten Vortrag entdeckt, könnt Ihr Euch den auch im Livestream angucken.
Beitrag vom Mi, 22.08.12
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