Der Kult um Primark
Was ist da dran?
Seit ein paar Wochen geht in Berlin-Steglitz die Post ab. Jeden Tag pilgern mehrere tausend Menschen in die erste Berliner Primark-Filiale. Das irische Unternehmen lockt mit ganz billigen Preisen: T-Shirts für 2,50 Euro, Hosen für neun Euro. Angeblich sind diese Sachen auch noch cool. Das wollte sich auch unsere Modereporterin Gesine Kühne nicht entgehen lassen und hat mal geguckt, ob der Primark-Hype berechtigt ist.
Gesine, Du kaufst gern Klamotten ein. Wie viel hast Du bei Primark gekauft?
Nichts! Denn ich war schon beim Reingehen ins Geschäft ein bisschen abgetörnt. Es riecht dort recht komisch. Irgendwie chemisch. Ich habe wirklich an jedem Kleidungsstück geschnuppert, um mal rauszufinden, ob es die Klamotten sind. Aber die Spürnase fand heraus, dass der Geruch aus der Schuh- und Taschenabteilung stammt. Es war der Geruch billigen Plastiks und Klebers.
Aber ich war die Einzige, die nichts gekauft hat. Ob jung oder alt, Männer oder Frauen, gut betuchte Ladies aus Zehlendorf oder schlecht verdienende Azubis aus Reinickendorf, es kaufen dort alle ein. Das geht wie folgt. Am Eingang gibt es einen riesigen Einkaufskorb und dann wird Gang für Gang über zwei Etagen alles angeguckt und wahlweise in den Korb geworfen.
Obwohl in dem Geschäft über 60 Anprobekabinen sind, gehen die meisten gleich zur Kasse. An diesen gibt es so ein schönes, geordnetes, sehr amerikanisches System. Eine lange Schlange und sobald eine Kasse frei wird, sagt eine Computerstimme an, wo der nächste Kunde hin muss.
Was kaufen die Menschen dort denn ein?
Einfach alles, was es gibt. Vom Schlüpfer bis zum Mantel, vom Fingerring bis zum Schuh, selbst Bettwäsche und Dekoartikel für die Butze gibt es.
Sind die Sachen denn so cool, wie das Unternehmen behauptet? Das soll ja der große Unterschied zu Läden wie Kik oder Takko sein.
Vom Style können die mit Gina Tricot, teilweise H&M und New Yorker mithalten. Es gibt natürlich ganz schlimm bedruckte Sachen, die dadurch einen Billo-Touch bekommen, aber auch ganz schlichte, klassische, sehr stylische Sachen. Das Material fühlt sich okay an. Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Sachen sofort auseinander fallen.
Ich wollte eigentlich einen Waschtest mit einem T-Shirt machen, konnte es aber nicht kaufen. Aus Skrupel wegen der Produktionsbedingungen. Das ist ja der größte Kritikpunkt an Primark. Billige Massenproduktion in armen Ländern wie Bangladesh, wo keiner so richtig die Arbeitsbedingungen überprüft.
Obwohl ich die Einzige war, die an dem Tag nichts bei Primark gekauft hat, bin ich aber nicht allein mit den Bedenken. Auch die Käufer machen sich teilweise eine Platte, können sich aber teurere Klamotten nicht wirklich leisten.
Geld ist eben ein großes Thema. Alle Mädels, mit denen ich gesprochen habe, waren Azubis und verdienen kaum etwas. Sie fühlen sich aber auch von der Gesellschaft irgendwie unter Druck gesetzt, ständig neue und hippe Klamotten haben zu müssen. Sparen auf ein teures anstelle von fünf billigen Teilen wird aber selten in Betracht gezogen.
Beitrag vom Mo, 13.08.12
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