Erben, sich entlieben und Makler auslachen

Ein Mädchen guckt etwas ungläubig oder genervt über einen Stapel Bücher, den es auf ihrer Hand balanciert (Quelle: Flickr, User: flygraphix; CC:BY)

Das erwartet Euch in Büchern der Woche

Soll man wirklich ein Familienunternehmen weiterführen? Dieser Frage geht Nora Bossong nach, während Britta Boerdner zeigt, dass in der Traumstadt New York nicht jeder sein Glück findet. Und wenn man schon nichts findet, kann man wenigstens lachen, zum Beispiel über Wohnungsmakler. Dafür haben wir das ideale Hörbuch.
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Nora Bossong "Gesellschaft mit beschränkter Haftung"

Luise Tietjen ist 27, Philosophiestudentin und anfangs nicht gerade scharf darauf, ins Familienunternehmen einzusteigen. "Tietjen und Söhne" macht seit drei Generationen Millionen mit Frotteehandtüchern. Aber jetzt steht das Geschäft kurz vor der Pleite. Ihr Vater hat sich nach New York abgesetzt. Dort verweigert er sich seinem bisherigen Leben. Nur Luise hat noch Kontakt zu ihm.

Luise nimmt später doch die Firma in die Hand. Nicht nur das: Sie macht sie zu ihrem Leben. Sie kündigt Mitarbeitern, beschönigt Umsatzzahlen und opfert ihr Privatleben. Alles, um den Familienbetrieb zu retten.

Die Welt der Frotteefamilie ist nicht flauschig, sondern unterkühlt und nüchtern, so wie der Roman. Nora Bossong erzählt präzise von gläsernen Chefetagen, Business-Class-Fliegern, geschönten Bilanzen, billigem Produzieren in China und Familienzwängen. Am Ende seid Ihr froh, dass Eure Eltern Lehrer, Bäcker oder Musiker sind. Bloß kein Familienunternehmen! 

Fritz meint: Fritz meint: Vier von fünf Sternen

Was: Nora Bossong "Gesellschaft mit beschränkter Haftung"
Wo:
Hanser Verlag
Wie viel:
304 Seiten, 19,90 Euro

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Britta Boerdner "Was verborgen bleibt"

New York ist der große Traum von Gregor und seiner Freundin. Sie ist die namenlose Ich-Erzählerin und aus ihrer Sicht lernt Ihr die Straßen vom Big Apple kennen. Gregor hat einen gut bezahlten Job. Er geht darin auf, kommt abends spät nach Hause, findet plötzlich Gefallen an schicken Krawatten.

Die Ich-Erzählerin hingegen streift ziellos durch die Stadt, versucht, den New Yorker Takt zu finden und den Rhythmus der Beziehung wieder zu entdecken. Was als gemeinsamer Neuanfang geplant war, wird immer mehr zur Trennung auf Raten.

"Was verborgen bleibt" ist ein leiser, melancholischer, elegant geschriebener Herbstroman mit New York als Hauptfigur. 

Fritz meint: Fritz meint: Vier von fünf Sternen

Was: Britta Boerdner "Was verborgen bleibt"
Wo: Frankfurter Verlagsanstalt
Wie viel: 158 Seiten, 18,90 Euro
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Martin Blath, Elke Herbst "Wohnst du schon oder lachst du noch?“ (CD)

Elke Herbst und Martin Blath sind nach Berlin gezogen. Wochenlang haben sie Anzeigen von Maklern, Hausverwaltungen und Privatleuten durchforstet und dabei vor allem eins gefunden: die wuchernden Stilblüten in Wohnungsanzeigen.

Beispiele gefällig?

"Ein Schlafzimmer wird zu einem Master-Bedroom, man duscht nicht mehr, sondern begibt sich unter die Powerdusche, und selbstverständlich trinkt man seinen Kaffee nicht auf der Terrasse, sondern im Outdoor-Essbereich."

In manchen Maklern schlummert aber auch ungeahntes poetisches Talent:

"Bringen Sie einen Hauch des orientalischen Zaubers in Ihre eigenen vier Wände, lassen Sie sich morgens vom Vogelgezwitscher aufwecken und starten Sie mit voller Energie in den Tag."

Und so weiter und so weiter. Die CD ist in elf Themen wie "Der perfekte Grundriss", "Die netten Nachbarn" oder "Die wahren Poeten" unterteilt. Wenn Ihr Euch gerade über schmierige Makler ärgert, zieht Euch die CD rein. Und lacht sie einfach ordentlich aus.

Fritz meint: Fritz meint: Drei von fünf Sternen

Was: Martin Blath, Elke Herbst "Wohnst du schon oder lachst du noch?" (CD, gelesen von Nana Spier und Oliver Rohrbeck)
Wo: Argon Hörbuch Verlag
Wie viel: eine CD, zehn Euro

Beitrag vom Mi, 17.10.12

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