Neues Wort
Hörspiele und Stubenhocker
Heute neu: die Buchtipps der Woche!
Diese Woche haben wir mal kein Hörbüch, sondern ein Sammelsurium an HörSPIELEN für Eure feinen Ohren getestet. Denn die freie Hörspielszene produziert am laufenden Band und ist darüber hinaus äußerst kreativ.
Komplett inaktiv ist dagegen der Protagonist in unserem zweiten Werk, der, nachdem er für die Abiprüfung nicht zugelassen wird, den kompletten gesellschaftlichen Rückzug vollzieht. Zum Schluss haben wir noch das medial kontrovers diskutierte Buch einer "Digital Native" und Piraten-Feministin. Klingt irgendwie nach Widerspruch. Heute wieder neu: die Buchtipps der Woche!
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Claes Neuefeind "Pressplay3" (Hörspiel)
Die drei Fragezeichen, TKKG und Fünf Freunde - damit hört bei den meisten die Hörspielerfahrung auf. Hörbücher - ok. Die stellen wir Euch hier regelmäßig vor. Richtige HörSPIELE haben bislang keine allzu große Lobby. Dabei werden die in der freien Hörspielszene am laufenden Band produziert. Jetzt ist eine mp3-CD erschienen mit über acht Stunden Laufzeit. Da reiht sich Hörspiel an Hörspiel.
Aus dem Leben gegriffen ist zum Beispiel das Hörspiel "Hundeleben". Ein so genannter Langzeitarbeitsloser sitzt bei seinem Fallberater im Jobcenter. Es gäbe ein neues Projekt und er käme in Frage teilzunehmen. Durch die Pflege eines Tierheimhundes soll er für den Arbeitsmarkt resozialisiert werden. Ob er will oder nicht.
Mal experimentelles Rauschen, das Ihr gut weiter skippen könnt, mal aufwendig produzierte Romanvertonungen und sehr viele anspruchsvolle Features und Hörspielproduktionen machen diese mp3-CD zu einem Hör-Überraschungspaket der Extraklasse. Es lebe die freie Hörspielszene. Bitte mehr davon!
Was: Claes Neuenfeind "Pressplay3 (Hörspiel)
Wo: Mairisch-Verlag
Wie viel: 8 Stunden, 15,90 Euro
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Kevin Kuhn "Hikikomori"
Diejenigen unter Euch, die auf einer Waldorfschule oder auf einer anderen freien Schule sind oder waren, werden früher oder später alle die Erfahrung machen oder schon gemacht haben: Erstmal ist es mega-entspannt, keine Noten zu kriegen und Ihr lernt fröhlich vor Euch hin. Aber spätestens, wenn die Frage kommt, ob man denn jetzt einen Schulabschluss machen will, gar das Abitur, dann wird's stressig. So auch bei dem Protagonisten in "Hikikomori" von Kevin Kuhn.
Für Till ist schon zu Beginn des Buchs alles zu spät. Eine Lehrerin seiner Waldorfschule hatte ihn schon seit Jahren als Störgeist auf dem Kieker und jetzt hat sie sich durchgesetzt: Till ist nicht zu den Abiprüfungen zugelassen. Seine Reaktion - kompletter Rückzug: Er räumt sein Zimmer aus, die Möbel in den Keller. Wo vorher die Couch stand, hat er "Couch" auf den Fußboden geschrieben. Er zockt im Internet "Medal of Honor" und vermeidet Kontakt nach außen. Auch zu seiner Familie.
"Hikikomori" ist Japanisch und steht für "sich einschließen und gesellschaftlicher Rückzug". Wenn ein Jugendlicher mindestens sechs Monate das Haus der Eltern beziehungsweise sein Zimmer nicht verlassen hat, dann ist er oder sie "Hikikomori". Versagensangst, hohe Erwartungen der Gesellschaft – in Japan Realität – und bei uns auch. Kevin Kuhn beschreibt das in seinem Debütroman beeindruckend verstörend.
Was: Kevin Kuhn "Hikikomori"
Wo: Berlin Verlag
Wie viel: 223 Seiten, 15,50 Euro
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Julia Schramm "Klick mich"
Die Grenze zwischen den Generationen könnt Ihr heute leicht bestimmen: Es gibt die mit und die ohne Internet. Also die "Digital Natives" und die anderen, die vor 1980 geboren sind. Julia Schramm ist 1985 geboren und damit schon per unserer kleinen "Definition" ein "Digital Native". Außerdem ist sie im Bundesvorstand der Piratenpartei und hat jetzt ein Buch geschrieben. Worüber? Überraschung: über ihr Leben im Internet.
Seit ihrer Kindheit lebt Julia Schramm, unter wechselnden Pseudonymen, im Internet. Ihre Früh-, Haupt- und Spät-Pubertät fanden da genauso statt wie ihr Erwachsenwerden. Sie lernt flirten mit Pädophilen im Chat, hat ersten Sex online, lernt ihre Online-Freunde im richtigen Leben kennen und liebt die mulitmediale Spielwiese. Deren Freiheit zu verteidigen ihr großes Ziel wird. In der Politik bei den Piraten, unter anderem als moderne Feministin.
Bei Facebook längst abgemeldet ist Julia Schramm keine Durchschnitts-Userin, sie ist vielmehr Internetpionierin mit ihrer ganz eigenen Philosophie. Spritzig, kämpferisch, exhibitionistisch und in fluffig lesbarem Stil hat sie diese hier runtergeschrieben. Julia Schramms Debüt "Klick mich" ist ein Muss für alle, die das Internet lieben, sein Potential verstehen und für die Zukunft erhalten wollen.
Was: Julia Schramm "Klick mich"
Wo: Knaus Verlag
Wie viel: 207 Seiten, 16,99 Euro
Beitrag vom Mi, 10.10.12
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