Neues Wort
Ein Kuss zum Schluss
Die Buch-Tipps der Woche
Ein lebensgefährliches Psychospiel auf Lanzarote, die Flucht vor dem einbeinigen Vater und eine schrullige Liebesgeschichte - es gibt in dieser Woche auf jeden Fall wieder neuen Stoff für Eure Lesehängematte...
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Juli Zeh "Nullzeit"
Sven ist Tauchlehrer auf Lanzarote. Mit seiner Kindheitsliebe Antje führt er ein beschauliches aber ereignisloses Inseldasein. Sein Lebenskonzept: Aus allem raushalten und bloß nicht einmischen. Das funktioniert so lange, bis seine neuen Tauchschüler Jola und Theo auftauchen. Er ist ein gescheiterter Schriftsteller, sie ein mittelmäßiges Seriensternchen auf der Jagd nach der ersten großen Rolle. Sie bringt Sven aus dem Konzept.
Bevor Sven es richtig merkt, ist er verstrickt in ein lebensgefährliches Psychospiel. Theo und Jola hassen und lieben sich, quälen und schlagen sich. Sven gerät zwischen die Fronten bis Theo fast stirbt. Wer ist Täter, wer ist Opfer in dieser Dreierkiste? Das ist unklar, weil Ihr die Geschichte nicht nur aus Svens Sicht erfahrt. Jola schreibt Tagebuch und behauptet oft genau das Gegenteil von dem, was Sven erzählt. "Nullzeit" spielt mit Lüge und Wahrheit, ist dabei aber nicht verwirrend und raffiniert genug. Deshalb ist "Nullzeit" mehr unterhaltsames Beziehungsdrama als spannender Psychothriller.
Was: Juli Zeh "Nullzeit"
Wo: Schöffling & Co
Wieviel: 256 Seiten, 19,95 Euro
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Norbert Zähringer "Bis zum Ende der Welt"
Schon der erste Satz von Norbert Zähringer macht Spaß:
"Nach dem Tod ihrer Großmutter hatte Anna Tschertschenko keinen Menschen mehr auf der Welt, sah man einmal von ihrem Vater ab, einem einbeinigen Säufer."
Der Vater steht eines Tages mit seinen Saufkumpels vor der Tür, um Omas Erbe zu verzechen. Als einer seiner Freunde über Anna herfällt, flieht sie. Über eine Partneragentur kommt sie von Kiew nach Berlin zum alternden Hobbyastronomen Gerhard Laska. Der ist alleinstehend, harmlos, aber sterbenskrank. Laska macht Anna ein Angebot: Für 20.000 Euro soll sie ihn in sein Ferienhaus nach Portugal begleiten. Ihm bleiben nur noch sechs Monate. Die will er nicht alleine verbringen. Anna kriegt zunächst Panik, landet dann über Umwege aber doch noch mit Laska in Portugal.
Wie der Blick in die Sterne beide verbindet und wie ein portugiesischer Dorfpolizist Schicksal spielt, ist das reinste Lesefestival. Norbert Zähringer steigt im Wechsel auf Gaspedal und Bremse. Er jongliert mit Worten und Handlungssträngen wie ein Zirkusartist. Ein filmreifer Sommerroman, der bis zum Schluss Spaß macht.
Was: Norbert Zähringer "Bis zum Ende der Welt"
Wo: Rowohlt Verlag
Wieviel: 272 Seiten, 19,90 Euro
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David Foenkinos "Nathalie Küsst" (Hörbuch)
Stefan Kaminski kann es sanft, zurückhaltend, donnernd und perlend. Seine Stimme ist für's Hörbuch das, was die Sahne für den Kuchen ist: Der unverzichtbare Kick!
Die Story stimmt auch: "Nathalie Küsst" erzählt von der ekelhaft harmonischen Zuckerliebe von Nathalie und Francois. Es ist das perfekte Glück, bis Francois beim Joggen überfahren wird. Blass, zerbrochen und am Boden zerstört fristet Nathalie danach ihre Tage. Langsam kämpft sie sich in den Büroalltag zurück und erstickt ab sofort ihre Trauer mit Arbeit. Drei Jahre später küsst sie ihren unscheinbaren Kollegen Markus einfach so, ohne Vorwarnung, mitten in ihrem Büro. Ganz zart und leise kommt eine schrullige Liebesgeschichte in Gang.
"Nathalie Küsst" ist ein bisschen altmodisch und verschroben, aber gleichzeitig wunderschön.
Was: David Foenkinos "Nathalie Küsst"
Wo: Hörbuch Hamburg
Wieviel: vier CDs, 19,99 Euro
Beitrag vom Mi, 08.08.12
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