Ihr könnt wieder zum Fußball...

Fußballfans im Stadion (Foto: Kurrat | flickr.com | CC BY-NC-SA)

...die Stadien sind endlich sicher

37 Seiten Papier, auch "Sicheres Stadionerlebnis“ genannt, sollen den Fußball wieder zivilisieren. Das war auch bitter nötig. Zumindest wenn wir den Worten von manchen Funktionären, Polizisten und Journalisten glauben wollen. ARD-Talkerin Sandra Maischberger setzte Ultras gar mit den Taliban gleich. Auch viele (Innen-)Politiker sprangen auf dieses populistische Thema an, als wollten sie damit ihr Versagen an anderer Stelle kaschieren. Dabei läuft beim Verfassungsschutz doch alles rund. Oops, ach nee, da war ja was.

Ent oder weder

Entsprechend motiviert drängten Politiker auf Maßnahmen gegen die ihrer Meinung nach bürgerkriegsähnlichen Zustände und setzten die Vereine, die Deutsche Fußball Liga (DFL) und den DFB gehörig unter Druck. Die Volksvertreter drohten mit dem Verbot von Stehplätzen oder einer Beteiligung an den Kosten von Polizeieinsätzen, sollten sich Vereine und Verbände nicht auf Maßnahmen einigen können. Das klingt nicht nur wie Erpressung, das ist es auch.

Union vorneweg

Vor diesem Hintergrund erarbeitete die DFL schließlich das fragwürdige Papier mit dem Namen "Sicheres Stadienerlebnis“. Als Union Berlin öffentlichkeitswirksam die Sinnhaftigkeit dieses Papiers infrage stellte, löste dies eine Debatte aus. Andere Vereine folgten und kritisierten ebenso den Vorstoß der DFL. Die wiederum argumentierte, dass es sich lediglich um eine unverbindliche Diskussionsgrundlage handele.

Ziemlich dünne Zahlen

Hauptkritikpunkt war und ist, dass Fans (beziehungsweise deren Vertreter) an der Erarbeitung des "Sicheren Stadionerlebnis“ nicht beteiligt wurden. Ob es ein grundlegendes Sicherheitsproblem überhaupt gibt, ist zudem äußerst zweifelhaft. Statistiken, die eine Gewaltzunahme beweisen sollen, wurden schnell als ziemlich dünne entlarvt. Immer wieder musste auch der Vergleich mit dem Münchner Oktoberfest dran glauben. Das Argument: Die Gefahr, dort verletzt zu werden, ist deutlich höher als bei einem Stadionbesuch. Repressionen für die Besucher des Oktoberfestes fordert trotzdem niemand.

Nicht viel Neues

Auf die Kritik reagierte die DFL, überarbeitete ihr Konzept ein wenig und machte daraus 16 Anträge, die das Leben schöner machen sollen. Kernforderungen aber blieben bestehen. Dazu gehören die Verpflichtung der Klubs, die Videoüberwachung auszubauen sowie die nachweisliche Qualifikation der Ordner. Zudem soll die Kennzeichnung von "Risikospielen“ die Grundlage schaffen, bei solchen Begegnungen verstärkte Kontrollen (im schlimmsten Falle die sogenannten Nacktkontrollen) zuzulassen und das Kartenkontingent von Gästefans zu beschränken. Nun geht die Angst um, dass Vereine willkürlich solche Risikospiele ausrufen können. Auch beim Abbrennen von Pyrotechnik soll es keine Zugeständnisse geben. Nun ja, eigentlich wird schon seit langem so gehandhabt. Aber wenigstens hat das mal jemand aufgeschrieben.

12:12 Schweigen

Die Fans protestierten auf ihre Weise: mit der Aktion "12:12 - Ohne Stimme keine Stimmung". An bislang drei Spieltagen schwiegen sie in den ersten zwölf Minuten und zwölf Sekunden der Partien. Eine Anspielung auf den 12. Dezember; dem Tag, an dem die DFL die Vereine zur Abstimmung über das "Sichere Stadionerlebnis“ gebeten hatte. Das sollte verdeutlichen, wie langweilig Fußball ohne die Stimmung der Fans eigentlich sein kann. Anhänger von Borussia Dortmund wiederum bauten eine Webseite namens ich-fuehl-mich-sicher.de. Über 70.000 Fans haben demnach keinen Bammel vor einem Stadionbesuch.

Nicht einstimmig, aber deutlich

Dumm nur, dass Fans auf die Abstimmung keinerlei Einfluss hatten. Das machten die 36 Profivereine unter sich aus und die einigten sich zwar nicht einstimmig, aber doch deutlich auf die 16 verschiedenen Anträge. Am 25. Januar muss der DFB dann noch seinen Willi darunter setzen. Reine Formsache. Und dann sind die Stadien endlich wieder sicher. Juchu!

Beitrag vom Di, 11.12.12

Audios

Play Unsere Stadien sollen sicherer werden 1:50
  • Ein einsamer Hertha-Fan im Stadion (Quelle: dpa)

    Boykott!

    Am 21. Dezember 2012 soll laut Maya-Kalender die Welt untergehen. Für einige von Euch könnte sich das schon ein paar Tage früher erfüllen: Und zwar am 12. Dezember 2012 – wenn Ihr Fußball-Fans ...

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