Schürfen im Datengold

Die o2-Zentrale in München (Foto: dpa)

O2-Mutterkonzern will Bewegungsdaten versilbern

Google weiß schon verdammt viel über uns. Facebook natürlich auch. Jetzt kommt allerdings die nächste Stufe des gläsernen Menschen. Wenn es nach Plänen des spanischen Telekommunikationskonzerns Telefonica geht, könnten auch alle echten Geschäfte bald wissen, wo wir uns so rumtreiben. Der Telefonica gehört übrigens der deutsche Mobilfunkkonzern O2. Nun plant Telefonica, Bewegungsdaten zusammen mit sogenannten Bestandsdaten ihrer Kunden an die Werbeindustrie zu verkaufen.

Was genau hat Telefonica da vor?

In Zukunft will Telefonica ein Bewegungsprofil von seinen Kunden erstelle. Das schnüren sie dann mit Alter und Geschlecht zu einem schönen kleinen Paket und verkaufen es an jeden, den das Interessiert.

Und wen soll interessieren, wo wir hingehen?

Werbekunden zum Beispiel. Stellt Euch vor, Ihr geht shoppen und bleibt zwei Minuten vor einem Schaufester stehen. Der Besitzer des Shops hätte dann später die Info, was für Leute wie lang vor seinem Schaufenster standen. Und dann passt er sich an. Wenn er also feststellt, dass bei ihm vor allem 20-jährige Mädchen vorbei kommen, dann bietet er wahrscheinlich in Zukunft die entsprechende Produktpalette an.

Dürfen die das denn?

Albert Fetsch von Telefonica Deutschland,der Muttergesellschaft von O2, ist vor allem auf ein Mantra fixiert: "Das ist noch gar nicht engeführt." Da könnte man meinen, es gibt noch keine konkreten Pläne über die Einführung dieses Produkts. Wenn die Pläne aber noch nicht konkret sind, fragt man sich natürlich, warum die Telefonica extra für diese Aufgabe die Tochtergesellschaft Telefonica Dynamic Insights gegründet hat.

Wenn es dann aber soweit sein sollte, sind laut Albert Fetsch alle Sorgen unbegründet: "Wenn wir so was einführen, dann rechtlich sicher." Das stimmt ja auch irgendwie, wenn die Namen nicht weitergegeben werden, bleibt man ja trotzdem anonym.

Also alles in Butter?

Daran haben Datenschützer so ihre Zweifel. Marit Hansen vom Datenschutz Schleswig Holstein macht sich ein paar Sorgen: "Bei Bewegungsdaten ist ein Personenbezug fast immer sehr leicht gegeben. In den Daten steckt das entsprechende Potential, deswegen geht eine echte Anonymisierung in den meisten Fällen nicht"

Aber sie ist eigentlich guter Dinge und hofft jetzt darauf, dass Telefonica vom Widerstand der Kunden von den Plänen abgehalten wird.

Update, 1. November

Und siehe da: Wegen der heftigen Proteste haben O2 und Telefonica ihre Pläne schon wieder eingestampft.

Albert Fetsch, Sprecher von Telefonica Deutschland (O2-Mutterkonzern), erklärt, dass O2 davon absehen wird, Bewegungsprofile seiner Kunden an die Werbewirtschaft zu verkaufen. Allerdings erst, nachdem den Konzern ein Shitstorm im Internet überrannt hatte.

Beitrag vom Di, 30.10.12

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Play Protest wirkt: O2 verkauft keine Bewegungsprofile seiner Kunden 1:29

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