Volles Haus!

Ein sehr buntes Haus (Quelle: fli_svenwerk_by_nc_nd)

Kaufen, statt mieten - und zwar zusammen

Vielleicht habt Ihr es schon am eigenen Leib erfahren, als Ihr Eure erste eigene Wohung gesucht habt oder einfach umziehen wolltet: die Mieten in Berlin sind rasant angestiegen und freier , schöner, zentraler Wohnraum ist knapp geworden.

Die neue Wohnungspolitik setzt aber auch neue Energien frei: Neben Genossenschaften (kurz: viele Leute kaufen oder bauen gemeinsam ein Haus, dadurch wird es für alle bezahlbar) findet das Modell "Syndikat" immer mehr Anhänger. Dabei kaufen Mieter zwar auch gemeinsam ihr Haus oder ein Grundstück, um es so der Immobilien-Spekulation zu entziehen und Mietpreisschwankungen zu verhindern. Allerdings bleibt das Syndikat als GmbH immer Miteigentümer des Hauses - und steht einer etwaigen Reprivatisierung im Weg: Das Haus ist dauerhaft vom Markt - und somit aus der Spekulationsblase raus!

FritzReporterin Magdalena Bienert hat eines der 15 Berliner Projekte besucht, die gemeinsam mit dem "Syndikat" ein Haus gekauft haben.

Sag mal Magda, was ist das Syndikat genau und wie funktioniert das?

Die Idee ist eigentlich ganz simpel, nur die Umsetzung etwas komplex: Ihr schließt Euch mit Euren anderen Mietern - oder wem auch immer - zusammen und kauft entweder das Haus, in dem Ihr wohnt, weil es sowieso gerade verkauft werden soll, oder Ihr kauft ein Grundstück und baut darauf ein neues Haus.

Moment!! Dafür braucht man ja nun mal dieses….warte…wie hieß es….ach ja….Geld!

Allerdings. Und deshalb müsst Ihr als Hausgemeinde auch ne GmbH gründen.
Für die braucht Ihr 25.000 Euro Startkapital, die Ihr Euch als Direktkredit bei Eurer Oma oder sonstwo besorgen müsst. Das funktioniert eigentlich immer, sagt Bernhard Hummel, der ehrenamtlich für das Mietshäuser-Syndikat arbeitet, sogar Punks haben mit Hilfe des Syndikats ein eigenes Haus auf diese Weise gekauft!

Habt Ihr dann Euer Startkapital, gibt eine Bank noch drei Viertel als weiteren Kredit dazu - teilweise springt aber auch das Syndikat bei Finanzierungsengpässen ein. Und dann wird das Haus oder Grundstück gekauft. Ab da zahlen dann alle ganz normal Miete und so werden die Kredite nach und nach abbezahlt. Ist das irgendwann durch, geht die Miete weiter an das Syndikat – und die helfen damit wiederum anderen Interessenten, ein Haus oder Grundstück kaufen zu können.

Das heißt, das Syndikat verdient nix an der ganzen Sache? Warum dann der Aufwand?

Ziel des Syndikats ist es, Häuser und Grundstücke dem Immobilien-Markt quasi für immer wegzunehmen, denn das Haus gehört ja langfristig immer den Mietern und dem Syndikat und darf von keinem verkauft werden. Für Bernhard Hummel ist das auch ein politisches Anliegen: Das Syndikat hat kein finazielles Interesse an Wachstum, aber ein inhaltliches Interesse daran, dass es mehr Häuser dieser Art gibt: niemand presst die Rendite raus und die Mieten bleiben für alle bezahlbar.

Ganz langfristig gesehen hoffen natürlich alle, dass man so die Mieten wieder stabilisieren und der profitorientierten Immobilienblase eins auszuwischen kann. Und das Prinzip wird auch immer beliebter – inzwischen gibt es in Deutschland schon 63 von diesen Haus-Kollektiven. Da leben insgesamt 1.500 Menschen!

Klingt alles super, aber eins noch: in Zeiten von unbefristeten Arbeitsverträgen kann es ja sein, dass ich nach fünf Jahren in meiner Syndikat-Wohnung nach Oberbuxtehude gehen muss. Komm ich dann da wieder raus?

Das ist gar kein Problem, all Eure Ansprüche verfallen dann natürlich, und falls Omas Kredit noch nicht abbezahlt ist, könnt Ihr entscheiden, ob der einfach über die anderen Mieter weiterläuft oder Eure Oma ausgezahlt wird.
 

Beitrag vom Di, 31.07.12

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Play Bauen mit dem Syndikat 2:32

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