Neues Wort
Schufacebook
Die Schufa will sich Eure Profile angucken. Aber warum?
Wenn einer "Facebook" ruft, ruft irgendjemand anderes "Datenkrake"! Und was da alles für Daten versammelt sind! Da könnte man doch was mit machen, oder? Das denkt sich grad auch die Schufa - Ihr wisst schon: diese Auskunftsfirma, die wichtig wird, wenn Ihr Euch irgendwo um eine Wohnung bewerbt oder einen neuen Handyvertrag braucht. Die Mobilfunk-Firma kann nämlich bei der Schufa anfragen, ob Ihr Euch das überhaupt leisten könnt.
Und genau diese Schufa hat jetzt ein Projekt mit dem Hasso-Plattner-Institut von der Uni-Potsdam gestartet: Die Forscher wollen rausfinden, inwiefern man die Daten von Facebook dazu nutzen kann, um etwas über Eure Kreditwürdigkeit rauszubekommen. Beziehungsweise: wollten. Denn mittlerweile haben sie das gemeinsame Projekt mit der Schufa gekündigt.
Aber von vorne
Bislang hat die Schufa sowieso schon massig Daten über Euch. Dazu gehören im Grunde alle finanziellen Geschichten: Miet- und Kreditverträge, EC-Kartendaten. Aus internen Dokumenten ist Anfang Juni rausgekommen, dass man aber durchaus auch an Geo-Daten interessiert ist – also wo Ihr Euch aufhaltet. Da kann man dann zum Beispiel den Wohnort rausfinden, oder Euren Schulabschluss. Das stand alles in einem internen Papier der Schufa, dass dem Sender NDR Info vorlag und bundesweit für Entrüstung gesorgt hat.
Auf dieses Papier angesprochen, sagten Schufa und Hasso-Plattner-Institut zuerst, dass das gar keine konkreten Pläne seien, sondern nur Ideen. Und es sollte ergebnisoffen geforscht werden, nach dem Motto "Guck mal, diese Daten sind da. An die kommt im Grunde jeder ran. Was kann man damit machen?" Wenn am Ende bei rumkäme, dass die Facebook-Daten nicht auswertbar sind, sollte das eben das Ende sein. Tja, und dieses Ende ist nun schon da: Das Hasso-Plattner-Institut hat sich nach all dem Wirbel, den das Projekt gemacht hat, schon wieder davon verabschiedet. Das Institut meint, wegen mancher Missverständnisse könne das Projekt nun nicht mehr unbelastet und mit der nötigen Ruhe durchgeführt werden kann.
Und weshalb der ganze Wirbel?
Die Auskunftei sollte zwar keine konkreten Daten wie etwa Tweets oder Facebook-Einträge von den Forschern des Hasso-Plattner-Instituts bekommen, dennoch befürchteten Datenschützer, dass schon die Auswertung dieser Daten nicht rechtmäßig sei. Auch an der Aussagekraft, was die Kreditwürdigkeit einer Person angeht, wurde stark gezweifelt. Nun zogen die Forscher die Image-Bremse: als Buhman wollten sie wohl auch nicht rüberkommen.
Die Schufa selbst hielt sich übrigens bedeckt bei dem Thema. Laut Eigenaussage wollten die nur, dass wir uns der Sensibilität unserer Daten bewusst sind... Das ist nett. Aber lass Dir gesagt sein, liebe Schufa: dessen sind wir uns bewusst. Sehr sogar!
Beitrag vom Do, 07.06.12
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