Zwei Perspektiven einer Geschichte
Stefan Petermann: "Der Schlaf und das Flüstern"
Nach „Axolotl Roadkill“ und „Strobo“ oder anderen Romanen aus der abgefuckten, urbanen, Drogenhöllenclubgroßstadtszenerie ist es nun mal wieder Zeit für einen schönen Provinzroman, mit duftenden Kamillenfeldern und Konflikten, die hinter der biederen Provinzkulisse lauern und oftmals viel abgründiger sind als jeder Drogenfilm. „Der Schlaf und das Flüstern“ ist so ein Provinroman von Stefan Petermann.
Es sind die Geschichten von Janek und Pola, die zu einer werden und in diesem Buch von jedem aus der jeweiligen Perspektive erzählt werden. Beide sind Waisen, Janek wächst im Waisenhaus auf und ist ein brutales Kind, das andere Kinder und Tiere gleichermaßen fies quält. Pola verliert ihre Eltern bei einem Autounfall und zieht mit ihrer Oma nach Lange Sömme. Janek wurde inzwischen adoptiert und wohnt in Lange Sömme. Die dünnhäutige Pola scheint Janek ein erstklassiges Opfer für seelische Foltereien zu sein. In Kunst soll ein Panorama in einer Schuhschachtel gebastelt werden. Janeks Schuhschachtel soll Pola demütigen:
Leseprobe:
Eine Winterlandschaft. Eine Straße teilte einen schmutziggrauen Berg aus Pappmaschee, über den Kosmetikwatte getupft war. Ein angedeuteter Himmel mit einem schlecht ausgeschnittenen schlafenden Mond. Die Straße gesäumt von einem Baum. An diesem Baum ein Auto aus Papier. Die Kühlerhaube des Autos eingedrückt, zwei Räder lagen auf dem stilisierten Asphalt. Rote Stoffreste deuteten Feuer an, oder war es Blut? Im Auto zwei Menschen, anstatt der Augen Kreuze.
Aber Pola weiß sich zu wehren, denn sie kann die Zeit anhalten und Janeks große Zeit als gefürchteter Sadist ist ein für allemal vorbei. Ein fantastischer Roman, dessen Schrägheit so realistisch erzählt ist, dass ihr alles was passiert eins zu eins glauben werdet. Ein wunderbar starkes Buch!
Was: „Der Schlaf und das Flüstern“ von Stefan Petermann
Wo: Asphalt & Anders Verlag
Wieviel: 285 Seiten, 18.90 Euro