Das Buch zur Krise
Kristoff Magnusson: „Das war nicht ich“
Nix ist verheerender und aufregender, sowohl im Leben als auch in der Literatur, als die ordentlich verzwickte Dreierkiste. Drei Menschen treffen aufeinander, jeder will etwas, keiner kriegt das und am Ende freut sich der Dritte oder eben auch nicht. So geschieht es auch in „Das war ich nicht“ von Kristof Magnusson.
Henry, Meike, Jasper. Henry ist Bestellerautor, alle warten auf seinen nächsten großen Wurf, den er vollmundig angekündigt (einen Roman über den 11.September), aber noch nicht mal angefangen hat – Schreibblockade. Eine die wartet ist Meike, seine Übersetzerin ins Deutsche, von der Übersetzung des neuen Werkes hängt ihre Existenz ab, sie macht sich auf den Weg in die USA den Autor zu suchen. Und dann ist da Jasper, ein junger karrieregeiler Börsenhändler, dessen Foto der Schriftsteller in einer Zeitung sieht, worauf er ihn stalkt:
Ausschnitt:
Bald erreichte ich die LaSalle Street und bezog Stellung gegenüber dem Hochhaus von Rutherford & Gold. […] Die Drehtür schaufelte Banker auf die Straße, die ihre Mäntel zuknöpften, Aquascutum, Burberry, Boss, genau das, was ich mir gekauft hatte, nur dass es für sie keine Verkleidung war. Direkt gegenüber blieb ich stehen und lauschte meinem klopfenden Herz. Ich hoffte, dass auch der verzweifelte Business-Boy in der Mittagspause sein Büro verließ und nicht am Schreibtisch ein Sandwich hinunterschlang. Dann schlug ich meinen Mantelkragen hoch und lehnte mich an eine Wand wie ein Privatdetektiv in einem film noir.
Und einem Film noir gleicht auch die Finanzwelt, in die dieser Roman uns einführt. Denn eine Bank und ein Leben sind schnell ruiniert. Magnusson hat das Buch übrigens schon vor der realen Krise fertig gehabt. Dicht und spannend, mit einem fulminant-durchgestylten Aufbau ist „Das war ich nicht“ viel mehr als ein neuer Finanzkrise-Roman: Witzig, schlau und nahegehend.
Was: „Das war ich nicht“ von Kristof Magnusson
Wo: Antje Kunstmann Verlag
Wieviel: 285 Seiten, 19 Euro